Hörspielrezension: «H. G. Wells: Das Imperium der Ameisen» (Folgenreich/Universal Music Family Entertainment)


Nach der überaus gelungenen Vertonung des Wells-Klassikers Die Zeitmaschine (ich rezensierte sie hier) vor einigen Wochen bringen Folgenreich und Oliver Döring mit Das Imperium der Ameisen am heutigen Tag nun die Adaption einer weiteren Erzählung des berühmten britischen Autors in den Handel. Ca. 56 Minuten Spielzeit hat das Hörspiel, das auf der Kurzgeschichte The Empire of the Ants basiert.

Der britische Biologe Lukas Holroyd fliegt im Auftrag eines Konzerns nach Südamerika, um das besonders gefährliche Gift einer neu entdeckten Ameisenrasse zu analysieren. Als Stadtmensch und Laborforscher reizt ihn die Aussicht auf schwüle Hitze, faulende, pilzbefallene Biotope und giftiges Getier des Urwalds zwar nicht sonderlich, aber es gilt, die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Selbst dass es seit geraumer Zeit zu dem Forscher vor Ort keinen Kontakt mehr gibt, kann ihn von seinem Unterfangen abbringen – auch dank des sanften Drucks seines Chefs. So reist er nach Loreto, der grünen Lunge Perus. Der mächtige Regenwald am Amazonas erstreckt sich über die gesamte Region und ist eine der am schwierigsten zu erreichenden Gegenden der Welt. Wo sonst als hier könnte sich im Verborgenen eine Spezies entwickeln, die uns die Vorherrschaft auf diesem Planeten streitig machen will? Kapitän Gerilleau soll Holroyd mit seinem Kanonenboot zur Forschungsstation mitten im Urwald bringen. Nicht lange, und sie machen Bekanntschaft mit den Ameisen - und es ist nicht nur das tödliche Gift, das sie zur furchtbaren Bedrohung macht, es ist ihr Plan...

Strukturell verfolgt Oliver Döring bei Das Imperium der Ameisen den gleichen Ansatz wie auch schon bei Die Zeitmaschine: Er orientiert sich vom Ablauf der Geschichte her zwar einerseits stark an der Vorlage, modernisiert den Plot aber gleichzeitig unter anderem dadurch, dass er das Geschehen in eine spätere, dem Hörer zeitlich deutlich nähere Epoche verlegt. So nahm beispielsweise die Geschichte um den Zeitreisenden ihren Ausgangspunkt nicht mehr im Jahre 1899, sondern in den frühen 1970er Jahren. Wann genau sich Das Imperium der Ameisen zuträgt, wird zwar nicht explizit gesagt, doch lässt sich aus dem Stand der Technologie ableiten, dass die Geschichte entweder in der Gegenwart oder zumindest der nahen Vergangenheit angesiedelt ist. Und damit ist sie ein ganzes Stück weit von dem Jahr 1905 entfernt, als die Kurzgeschichte The Empire of the Ants im The Strand Magazine erstmals erschien. Zu den Abweichungen gegenüber dem Ausgangsmaterial gehört darüber hinaus, dass Döring den Handlungsort vom brasilianischen und den peruanischen Teil des Amazonas-Regenwalds verlegt, weshalb Capitan Gerilleau jetzt auch Mitglied der peruanischen und nicht der brasilianischen Streitkräfte ist. Aus dem britischen Ingenieur Holroyd macht Döring zwar einen Biologen, folgt H. G. Wells allerdings dahingehend, als dass die Geschichte aus Holroyds Perspektive erzählt wird. Galt es bei Die Zeitmaschine, so viele Elemente des Romans in das Hörspiel einfließen zu lassen, so stand Döring dieses Mal vor der Aufgabe, die Vorlage inhaltlich zu erweitern, um zu einer Geschichte für ein Hörspiel von ca. einer Stunde Laufzeit zu gelangen. Keine ganz leichte Aufgabe, die Döring jedoch dadurch gekonnt, meistert, indem er aus The Empire of the Ants als einen Öko-Thriller um den vermissten Forscher John Perkins interpretiert, dessen Verbleib von Lukas Holroyd, der als typischer Zivilisationsmensch gezeichnet wird, geklärt werden soll. Den Kontrast zu Holroyd bilden einerseits das militärische Raubein Gerilleu und andererseits Ernest Simpson, der als ständiger Mahner vor den Folgen der wahllosen Zerstörung der Natur durch den Menschen fungiert. Ein interessantes Trio mit Ecken und Kanten, das den Plot gut über seine Laufzeit trägt. Verkörpert wird es von den erfahrenen Sprechern Julien Haggége, Carlos Lobo und Douglas Welbat, die aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung keinerlei Schwierigkeiten damit haben, ihren Charakteren das nötige Profil zu verleihen. Doch auch der Rest des Casts, zu dem u.a. Boris Tessmann als John Perkins gehört, lässt unter der Regie von Oliver Döring absolut nichts anbrennen. Das Sounddesign versetzt den Hörer spielend vom kühlen London ins schwüle Amazonasgebiet und bildet zusammen mit der Musik einen zwar dezenten, aber dadurch nicht weniger eindrucksvollen Rahmen für einen Plot, der von Döring gradlinig entwickelt und zu einem angemessenen Abschluss gebracht wird. Der Antagonismus zwischen Mensch und Natur als zentrales Thema des Hörspiels durchzieht jede Szene wie ein roter Faden und kennt dabei recht unterschiedliche Spielarten, so dass für die Protagonisten eine ständige Bedrohungslage entsteht. Der Regenwald hat Holroyd und Gefolge zwar eingelassen, kann sie aber auch nach Belieben jeden Moment verschlingen. Der Mensch wird geduldet, zu bestimmen hat er hier aber nichts. Eine Situation, auf die sich insbesondere Holroyd nur sehr langsam einstellen kann. Mit seiner bodenständigen Erzählweise, die auf übertriebenen Horror aus Selbstzweck verzichtet, erinnert Das Imperium der Ameisen dabei erfreulicherweise eher an Filmklassiker wie Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All ( 1971) und natürlich Phase IV (1974) als an die reißerischen Tierhorrorstreifen jener Ära und späterer Jahre. Zu denen gehört bekanntlich auch In der Gewalt der Riesenameisen (1977), der – zumindest im Originaltitel –  zwar so tut, als sei er eine Wells-Verfilmung, in Wahrheit aber mit der Kurzgeschichte nicht mehr gemein hat als den Namen. Freiheiten nimmt Döring sich zwar auch, doch lässt er dabei nie den Respekt vor dem Werk von H. G. Wells vermissen, sondern liefert stattdessen nach Die Zeitmaschine erneut einen Beleg dafür, wie zeitgemäß Wells' Geschichten auch heute noch sind, wenn man sie einer wirkungsvollen Aktualisierung unterzieht. Und es ist nicht zuletzt auch diese Qualität im Umgang mit der Vorlage, die Das Imperium der Ameisen sowohl für bestehende Wells-Fans als auch für jene Hörer interessant macht, die mit diesem Autor das erste Mal in in Berühung kommen.  


Mit Das Imperium der Ameisen legen Folgenreich und Oliver Döring ein spannendes Hörspiel mit einer kompakten Spielzeit von ca. 56 Minuten vor, das Wells' Kurzgeschichte als einen Öko-Thriller interpretiert, der sich nicht mit Kritik an der Zerstörung der Welt aus reinem Profitstreben zurückhält und gleichermaßen die Dominanz des Menschen über den Planeten Erde in Frage stellt. Auf diese Weise erschließt Dörings Adaption dem Ausgangsmaterial eine neue Dimension und zeigt dem Publikum ein weiteres Mal, dass Wells' Werke bei Döring in den allerbesten Händen sind. Vorfreude auf den den Dreiteiler Der Krieg der Welten, der als nächstes auf dem Programm steht, ist also definitiv berechtigt. Doch bis es soweit ist, dass die Aliens in ihren riesigen Kampfmaschinen über die Erde herfallen, sollte man es nicht versäumen, vorher auch das Das Imperium der Ameisen kennenzulernen. 


Das Imperium der Ameisen ist ein Hörspiel von Folgenreich/Universal Music Family Entertainment und Oliver Döring. Ab dem 24. November 2017 ist es im Handel erhältlich. 




Vorschau: «Das Imperium der Ameisen» (von Folgenreich; ab dem 24.11.2017 im Handel)


Anfang Oktober 2017 veröffentlichten Folgenreich und Produzent Oliver Döring den SF-Klassiker Die Zeitmaschine von H.G. Wells als zweiteiliges Hörspiel (ich rezensierte es hier). Am kommenden Freitag nun zieht man mit der Adaption der Wells-Kurzgeschichte Das Imperium der Ameisen nach. Nachfolgend ein Ausblick darauf, was da in ein paar Tagen auf die Hörerschaft zukommt.

Der Biologe Lukas Holroyd fliegt im Auftrag eines Konzerns nach Südamerika, um das besonders gefährliche Gift einer neu entdeckten Ameisenrasse zu analysieren. Als Stadtmensch und Laborforscher reizt ihn die Aussicht auf schwüle Hitze, faulende, pilzbefallene Biotope und giftiges Getier des Urwalds zwar nicht sonderlich, aber es gilt, die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Selbst dass es seit geraumer Zeit zu dem Forscher vor Ort keinen Kontakt mehr gibt, kann ihn von seinem Unterfangen abbringen – auch dank des sanften Drucks seines Chefs. So reist er nach Loreto, der grünen Lunge Perus. Der mächtige Regenwald am Amazonas erstreckt sich über die gesamte Region und ist eine der am schwierigsten zu erreichenden Gegenden der Welt. Wo sonst als hier könnte sich im Verborgenen eine Spezies entwickeln, die uns die Vorherrschaft auf diesem Planeten streitig machen will? Kapitän Gerilleau soll Holroyd mit seinem Kanonenboot zur Forschungsstation mitten im Urwald bringen. Nicht lange, und sie machen Bekanntschaft mit den Ameisen - und es ist nicht nur das tödliche Gift, das sie zur furchtbaren Bedrohung macht, es ist ihr Plan...

Schon bei Die Zeitmaschine setzte Oliver Döring auf eine ganz eigene Interpretation der wells‘schen Erzählung, ohne dabei die Idee des Originals anzurühren. Und bei Das Imperium der Ameisen verfolgt er diesen Ansatz offenbar konsequent weiter. Kontinuität herrscht zudem auch im Hinblick auf die Besetzung der Sprechrollen, denn Döring hat abermals einen hochkarätigen Cast zusammengestellt, der aus renommierten Schauspielern und Hollywood-Synchronsprecher wie u. a. Julien Haggége (Synchronstimme von Colin Hanks), Carlos Lobo (Jarvier Bardem), Douglas Welbat, Oliver Stritzel (deutsche Stimme von Philip Seymore Hoffman, Dwayne Johnson), Boris Tessmann (bekannt aus Geisterjäger John Sinclair), Daniel Montoya (Mark Brandis, Dorian Hunter) und Synchronsprecherlegende Joachim Kerzel besteht. Letzterer lieh schon Stars wie Dustin Hoffmann, Anthony Hopkins oder Jack Nicholson sein prägnantes Timbre.

Mit Das Imperium Der Ameisen kündigt sich also ein prominent besetzter Öko-Thriller mit einer kompakten Spielzeit von ca. 56 Minuten an, bei dem Oliver Döring erneut als Produzent, Autor und Regisseur tätig war. Man darf gespannt sein, ob Döring mit diesem Hörspiel wieder einen derart positiven Eindruck hinterlassen wird, wie ihm dies zuletzt mit Die Zeitmaschine gelungen war. Ab Freitag kennen wir die Antwort.  


Das Imperium der Ameisen ist ein Hörspiel von Folgenreich/Universal Music Family Entertainment und Oliver Döring. Ab dem 24. November 2017 ist es im Handel erhältlich.

Romanrezension: «Das Erwachen» von Andreas Brandhorst (Piper Verlag)


Machen wir uns nichts vor: Es gibt heute kaum noch einen Bereich unseres Lebens, den die digitale Vernetzung noch nicht durchdrungen hat. Und wir nehmen dies oftmals ohne Widerspruch hin, weil das Wirken der Algorithmen, der Bits und Bytes und intelligenten Maschinen viele Annehmlichkeiten bedeutet. Doch haben wir wirklich noch die Kontrolle über das Netzwerk? Und wenn ja, was passiert wenn wir sie verlieren? In seinem neuen Wissenschaftsthriller Das Erwachen, der bei Piper am 2. Oktober 2017 erschienen ist, geht Andreas Brandhorst genau diesen Fragen nach.  

Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein ... (Klappentext)

Es gibt da diese Szene aus Stanley Kubricks Film 2001 – Odyssee im Weltraum, in der sich die Astronauten Bowman und Poole an Bord der Discovery in eine schalldichte Raumapsel zurückziehen, um der Bespitzelung durch den allgegenwärtigen Computer HAL 9000 zu entgehen und zu beraten, wie sie mit der offenbar nicht mehr richtig arbeitenden künstlichen Intelligenz weiter umgehen wollen. Doch HAL findet einen Weg, dem Gespräch dennoch zu lauschen: Er liest das Gespräch von den Lippen der beiden Männer ab. Eine sehr ähnliche Szene gibt es auch in Brandhorsts neuem Roman Das Erwachen – nur heißt das Raumschiff dort Mars Discovery, das Reiseziel ist statt des Jupiters der "Rote Planet" und die KI hört auf den Namen Amelie. Andreas Brandhorst,  Autor von futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie Das Schiff und Omni, ist sich natürlich darüber im Klaren, dass er mit dem Thema künstliche Intelligenz bzw. Maschinenintelligenz kein komplettes Neuland betritt. Also macht er das Beste daraus und erweist Kubricks Filmklassiker ebenso Reverenz, wie er die Charaktere seines neuesten Werkes gelegentlich auch den Streifen Terminator erwähnen lässt, in dem die KI Skynet ein eigenes Bewusstsein entwickelt und einen Vernichtungsfeldzug gegen die Menschheit beginnt. Doch Brandhorst wäre nicht Brandhorst, wenn er für seinen neuen Roman bekannte Versatzstücke aus Filmen über KIs, die dem Menschen über den Kopf wachsen, einfach neu kombinieren würde. Stattdessen findet der Autor einen eigenen, sowohl reizvollen wie auch beklemmenden Zugang zur Thematik: Er zeichnet die Evolution der Maschinenintelligenz, der man im Verlauf der Geschichte den Namen Goliath geben wird, nach, indem er die Auswirkungen dieses Prozesses auf die modernen Gesellschaften der frühen 2030er Jahre schildert. Also auf Gesellschaften, deren Lebensadern Elektrizität und das Internet sind. Das Chaos, dass durch das Versiegen der "Lebenssäfte" in den Metropolen rund um den Globus ausgelöst wird, wirkt dabei ebenso authentisch wie die Versuche der Experten, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen und eine noch größere Katastrophe doch noch abzuwenden. Den Zeitpunkt, an dem die Geschichte spielt, hat Brandhorst clever gewählt, denn er erlaubt es dem Autor, einige Entwicklungen wie beispielsweise die Elektromobilität oder die Auswirkungen des Klimawandels aufzugreifen, während der Umstand, dass es sich um ein Szenario in der nahen Zukunft handelt, die Handlung wiederum erdet. Darüber hinaus orientiert sich der Roman an technologischen Fakten und denkt diese lediglich einen Schritt weiter, anstatt mit einer fiktiven futuristischen Computertechnologie zu operieren. Das Resultat ist eine Dystopie, die ihre beklemmende Wirkung auf den Leser dadurch entfaltet, dass sich beim Lesen unweigerlich das Gefühl breitmacht, die menschliche Zivilisation könnte tatsächlich nur wenige Jahre oder vielleicht auch nur einen schlechten Tag von dem entfernt sein, was Andreas Brandhorst in Das Erwachen schildert.  

So sehr Brandhorst mit seinem bedrückenden Szenario, jeder Menge Fachwissen und einem kurzweiligen, weil schnörkellosem Schreibstil auch punkten kann: Vielschichtige Charaktere hat Das Erwachen leider kaum zu bieten. Wie in den Desaster Movies von Roland Emmerich oder Michael Bay erfüllen die Figuren über wiegend die Funktion, als Reflexionsfläche für das Geschehen zu dienen und dabei einzelne Facetten des menschlichen Wesens oder der Herkunft abzubilden. Beim Hacker Axel Krohn macht sich seine schwere Kindheit immer wieder bemerkbar; der Hamburger Kommissar Michael Rossmann ist irgendwie steif, weil eben Deutscher; Coorain Coogan ist dagegen viel lockerer, weil eben Australier; den Leuten von der NSA ist jedes Mittel recht, weil sie eben von der NSA sind. Das primäre Merkmal der Norwegerin Viktria Jorun Dahl ist Gereiztheit aufgrund von Schlafmangel; der Italiener Gaetano Calussi hat von der ersten Sekunde an das Wort "Ekelpaket" auf der Stirn stehen; die Französin Giselle Leroy besteht zu 50 Prozent aus Damsel in Distress, zu 20 Prozent aus einer Fragenstellerin, die nie befriedigende Antworten bekommt, und zu 10 Prozent aus Kung-Fu-Kämpferin, während der Rest auf Love Interest für Axel Krohn entfällt. Einziger wirklicher Lichtblick ist der Kurde Ozan Kaynak, den eine Aura des Mysteriösen und Unberechenbaren umgibt. Die Charakterisierung der Akteure reicht zwar aus, um das Interesse an ihrem Schicksal wach zu halten, bleibt dabei jedoch oberflächlich. Man muss Andreas Brandhorst jedoch zugute halten, einen derart rasanten Roman geschrieben zu haben, dass dem Leser erst im Rückblick so richtig bewusst wird, wie wenig er im Verlaufe der 736 Seiten eigentlich über die zentralen Figuren erfahren hat. Und das muss man als Autor ja auch erst einmal schaffen.

Das Erwachen ist ein Roman, den man nur ungern wieder aus der Hand legt, wenn man ihn einmal angefangen hat. Die Geschichte führt dem Leser auf spannende wie alarmierende Weise vor Augen, wie abhängig wir heute bereits von intelligenten Maschinen sind und wohin es führen könnte, wenn sich dieser Trend ungebremst fortsetzt. Andreas Brandhorst hat einen Roman geschrieben, der nicht nur fesselnd zu unterhalten weiß, sondern auch zum Nachdenken anregt. Und das macht Das Erwachen deshalb gleich doppelt empfehlenswert.        


Das Erwachen ist ein Roman von Andreas Brandhorst. Am 2. Oktober 2017 ist er als Taschenbuch und als E-Book bei Piper erschienen.

Hörspielrezension: «Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1» (Folgenreich; ab dem 13.10.2017 im Handel)


Im Bereich des Fernsehens hat das Erzählen in Serie in den letzten Jahren sein Gesicht deutlich verändert. Ausgestorben sind die Serien klassischen Zuschnitts, die mit jeder neuen Folge eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen, zwar noch nicht, doch im Hinblick auf die Komplexität von Handlung und Charakteren haben ihnen Game of Thrones, House of Cards, The Walking Dead und Co mit ihren folgenübergreifenden Handlungsbögen definitiv den Rang abgelaufen. Auf das gleiche Erfolgsrezept setzt nun auch Folgenreich bei seiner neuen Hörspielserie Die Weisse Lilie aus der Feder von Benjamin Oechsle und Timo Kinzel, deren erste Staffel Tödliche Stille auf drei CDs am 13. Oktober 2017 in den Handel kommt.

Mix aus Actionthriller, Politkrimi und Verschwörungstheorien haben Kinzel und Oechsle ihr Erstlingswerk angelegt, dessen Handlung parallel an zwei unterschiedlichen Schauplätzen ihren Anfang nimmt. Im Kongo soll der Auftragskiller Daniel Porter den Warlord Emmanuel Besongua eliminieren, wird dabei aber schnell vom Jäger zum Gejagten. Als er Besongua in die Hände fällt, scheint sein Schicksal besiegelt zu sein, doch dann greift eine unbekannte dritte Partei in das Geschehen ein. Im amerikanischen Boston sind zur gleichen Zeit der Polizist Henry Miles und sein neuer Partner Sam Haden mit der Klärung eines mysteriösen Mordfalls beschäftigt, in dem sie erst durch die Hilfe einer alten Freundin von Miles ein Stück weiterkommen. Doch die vermeintliche Spur wird zur einer Sackgasse, als vor den Augen von Miles und Haden ein weiterer Mord geschieht. Jemand setzt offenbar alles daran, um die Ermittlungen um jeden Preis zu behindern. Eines wird den Cops jedoch schließlich klar: Die Morde haben etwas mit der politischen Situation im Kongo zu tun...

Dass das Autoren-Duo mit Die Weisse Lilie seinen Einstand in der Hörspiellandschaft gibt, merkt man der Produktion zu keinem Zeitpunkt an: Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 verfügt über eine ausgereifte Dramaturgie, welche die beiden Handlungsstränge im Verlauf der ca. 135 Minuten Spielzeit auf intelligente Weise immer weiter miteinander verknüpft, wobei häufige Szenenwechsel sowie Rückblenden dem Geschehen eine hohe Dynamik verleihen. Intensität verleiht dem Hörspiel darüber hinaus die authentische Darstellung der Situation im krisengeschüttelten Kongo nebst der Verweise auf den Völkermord an der Hutu-Minderheit durch Angehörige der Tutsi-Mehrheit in Ruanda, einem Nachbarland des Kongo. Die Schilderungen dessen, was 1994 dort geschah, sind drastisch, entsprechen jedoch den Tatsachen. Den afrikanischen Dschungel kontrastieren Oechsle und Kinzel mit dem Asphaltdschungel der US-Metropole Boston, die zwar an der Oberfläche zivilisierter wirkt, während hinter der Fassade ebenfalls oftmals die Gewalt regiert. Auch in diesen Erzählstrang lassen die Macher mit der Migration ein aktuelles tagespolitisches Thema einfließen, und die Tatsache, dass die Ereignisse auf zwei Kontinenten, zwischen denen tausende von Kilometern liegen, in direkter Verbindung stehen, macht abermals deutlich: Die Welt des 21. Jahrhunderts ist zu einem globalen Dorf geschrumpft, gekennzeichnet durch ein kompliziertes Beziehungsgeflecht. Und diese Komplexität wiederum bildet den Nährboden für Verschwörungstheorien über geheime Zirkel, die das scheinbar chaotische Weltgeschehen in Wahrheit steuern. Die Weisse Lilie bedient sich solchen Gedankengutes dahingehend, als dass mit der titelgebenden Vereinigung tatsächlich eine Organisation vorgestellt wird, die an der Schnittstelle der Ereignisse sitzt. Wie es sich für eine großangelegte Geschichte gehört, bleiben die Motive des Bundes zwar zunächst weitgehend im Dunkeln, doch in den ersten drei Kapiteln wird so viel an Grundsteinen gelegt, um den Hörer darauf neugierig zu machen, was sich auf dieser Basis in den kommenden Folgen noch alles entwickeln wird.

Erfreulicherweise weiß Die Weisee Lilie jedoch nicht nur vom Handlungsaufbau her zu überzeugen, sondern auch in puncto Sprecher, Sounddesign und Musik. Mit Martin Sabel (als Daniel Porter), Stephan Benson (Miles) und Timo Kinzel (Haden) in den Hauptrollen ist die Serie ideal besetzt, denn dem Trio gelingt problemlos die Verschmelzung mit den Charakteren. Daneben kennt die Geschichte eine große Zahl von Nebenrollen, die ebenfalls überwiegend sehr namhaft besetzt wurden. So finden sich auf der Castliste unter anderem die Namen von bekannten Schauspielern und Sprechern wie Holger Mahlich, Sascha Rothermund oder Céline Fontanges, während Mark Bremer als Erzähler durch die Story führt. Keine Frage: Was hier von allen Mitwirkenden geboten wird, besitzt durchweg hohe Qualität, besticht durch lebendiges Spiel und braucht deshalb den Vergleich mit Produktionen aus dem Hörspieloberhaus nicht zu scheuen. Und auch im Hinblick auf die Klangkulisse und die Musik braucht sich Die Weisse Lilie absolut nicht zu verstecken, denn das Sounddesign von Benjamin Oechsle ist detailreich, atmosphärisch und zieht den Hörer von der ersten Minute an unwillkürlich ins Geschehen hinein. Und der eigens für die Serie komponierte orchestrale Soundtrack des Hamburger Komponisten Jochen Mader wurde perfekt auf die Szenen abgestimmt, so dass sich eine plastische akustische Kulisse für die Handlung ergibt, wie man sie sich als Hörspielfan nur wünschen kann.

Präsentiert wird Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 von Folgenreich in einem Digipack, in dem neben den drei CDs in einer Tasche auch das Booklet Platz findet. Die Aufmachung ist vom Design her durchaus gelungen und erweckt einen hochwertigen Eindruck, wenngleich das Booklet inhaltlich nur bedingt überzeugen kann. Es wird zwar den Minimalanforderungen gerecht, indem es kurze Inhaltsangaben der der jeweiligen Kapitel sowie eine Auflistung der Rollen und ihrer Sprecher enthält, doch das war es dann auch. Die Chance, die Autoren zu Wort kommen zu lassen, damit sie sich dem Hörer vorstellen oder beispielsweise einige Gedanken zur Entstehungsgeschichte dieser Hörspielserie äußern können, wurde leider nicht genutzt. Sehr schade, dass ein so hochwertiges Hörspiel dem Label nur ein mittelmäßiges Booklet wert war.

Mit Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 präsentiert Folgenreich den gelungenen Auftakt einer ungemein spannenden neuen Hörspielserie, die sich an modernen Erzählmustern orientiert und deren Mix aus Actionthriller, Politkrimi und Verschwörungstheorien voll aufgeht. Fans von erwachsener Hörspielunterhaltung sollten sich Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 keinesfalls entgehen lassen.


Die Weisse Lilie – Tödliche Stille, Staffel 1 erscheint bei Folgenreich als 3-CD-Digipack. Ab dem 13. Oktober 2017 ist es im Handel erhältlich.


Vorbericht: Die Weisse Lilie - Tödliche Stille, Staffel 1 (3 CDs; VÖ: 13.10.2017; Folgenreich)


Die weiße Lilie - Fleur de Lys, ursprünglich Symbol der Reinheit und Unschuld. Gleichzeitig ein herrschaftliches Symbol der französischen sowie anderer Monarchien und ein Symbol der Freimaurer. Damit steht sie auch für die Dominanz einer kleinen Elite über den Rest der Menschheit. Um einen gefährlichen, kriminellen Geheimbund geht es in der neuen Folgenreich-Hörspielserie Die Weisse Lilie, deren erste Staffel auf drei CDs am kommenden Freitag in den Handel kommt. Der fesselnde Mix aus Actionthriller, Politkrimi und Verschwörungstheorien ist vielschichtig und mysteriös, spannend geschrieben und verspricht ca. 135 Minuten Hörspiel der brisanten Art. 

Die Handlung der Serie beginnt parallel an zwei unterschiedlichen Schauplätzen: 

Kongo, Zentralafrika: Daniel Porter ist Auftragskiller und überlässt nichts dem Zufall. Doch als er auf einen Warlord im Osten des Kongo angesetzt wird, kommt er stets einen Schritt zu spät und sieht sich in der Stadt Goma mit verhängnisvollen Ereignissen konfrontiert. Ehe er richtig begreift, wird er vom Jäger zum Gejagten und tappt in eine mörderische Falle, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt. Nach der Drohung eines anonymen Anrufers macht sich Porter mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg zu seinem Kontaktmann in der Stadt. Dort angekommen, wird seine böse Vorahnung bestätigt... 

Auf seiner Jagd nach Rebellenführer Emmanuel Besongua bemerkt Porter zu spät, dass dieser den Spieß längst umgedreht hat. Als Gefangener des Tyrannen blickt er schließlich dem Tod ins Auge - bis eine unbekannte Macht die Geschehnisse komplett auf den Kopf stellt... 

Boston, Massachusetts: Der eigenbrötlerische Detective Henry Miles fühlt sich regelrecht vor den Kopf gestoßen, als man ihm Sam Haden, einen jungen Akademieabsolventen, als neuen Partner zuteilt. Doch spätestens als den beiden nach einer zermürbenden Geiselnahme eine Frau vor das Auto läuft, ist Miles froh über den Neuen an seiner Seite. Das Unfallopfer führt die beiden Cops auf die Spur eines beispiellos blutrünstigen Gewaltverbrechens, das unmittelbar mit dem Geschehen in Afrika zusammenzuhängen scheint. Miles beschließt, für die Ermittlungen in dem Mordfall eine alte Freundin zu Rate zu ziehen. Die bringt schon bald Licht ins Dunkel, sodass die beiden Polizisten beginnen, eine heiße Spur zu verfolgen. Doch die Zielperson führt das Ermittlerduo aufs Glatteis...

Dann erschüttert ein weiterer Mord die Stadt. Auf der Suche nach den Drahtziehern setzt sich für Miles und Haden allmählich ein Bild zusammen, dessen Tragweite bis in den Kongo, aber auch in Miles‘ Vergangenheit zurückreicht... 

Die Hörspielproduktion Die Weisse Lilie bietet neben ihrer packenden und komplexen Handlung auch hervorragende Hörbuch- und Synchronsprecher wie u. a. Martin Sabel, Stephan Benson, Sascha Rotermund oder Céline Fontanges, eine vom Hamburger Komponisten Jochen Mader eigens auf die Szenen komponierte und orchestrierte Musik sowie eine authentische Soundkulisse, die den Zuhörer durch die sensationell hohe Dichte an Effekten und Geräuschen mitten ins Geschehen katapultiert. Direkt mit ihrem Erstlingswerk ist es den beiden Produzenten Timo Kinzel und Benjamin Oechsle und ihrem Team gelungen, die Aufmerksamkeit von Folgenreich auf sich zu ziehen. Die dramatische Story, die bis in die kleinste Rolle hochkarätigen Sprecher, dazu das eindrucksvolle Sounddesign und der imposante Score haben Folgenreich überzeugt, die ersten vier Kapitel der bereits im letzten Jahr unter Eigenregie bei Lily Sounds (Elevate Studios) veröffentlichten und von Fans und Kritikern hochgelobten Hörspielserie nochmals zu veröffentlichen. Darüber hinaus präsentiert Folgenreich künftig alle weiteren Folgen von Die Weisse Lilie: Los geht’s am 13.10.2017 mit der 3-CD-Hörspielbox Tödliche Stille, der kompletten 1. Staffel der Serie Die Weisse Lilie, Kapitel I - III, die voraussichtlich zum Jahresende mit der kompletten Staffel 2 Krieg In Boston fortgesetzt wird. Alle bisherigen fünf Hörspielfolgen der Serie sind außerdem auch einzeln als Download sowie im Stream verfügbar. 

Beachtenswert ist auch die die extra für die Serie gestaltete Homepage zu Die Weisse Lilie, auf der sich alle wichtigen Informationen zur Serie und ihren Machern finden. Weitere Informationen zum Hörspiel Die Weisse Lilie gibt es zudem auf den Seiten des Hörspiellabels Folgenreich


Die Weisse Lilie - Tödliche Stille, Staffel 1 erscheint auf 3 CDs am 13.10.2017.

Hörspielrezension: «Die Zeitmaschine - Teil 1 & 2» (Folgenreich/Universal Music Family Entertainment)


Die Aussicht, ab Januar 2017 wegen des dann weggefallenen Copyrights die Werke von H.G. Wells lizenzkostenfrei vertonen zu können, ließ Ende letzten Jahres gleich mehrere Label Hörspiele auf Basis von Romanen des berühmten Briten ankündigen. Dazu gehörte auch Hörspielproduzent Oliver Döring. Und gerade auf dessen Wells-Adaptionen waren viele Fans besonders gespannt, eilt Döring doch der Ruf voraus, Macher von akustisch überaus eindrucksvollen Audioproduktionen zu sein. Mit Die Zeitmaschine liegt seit dem 29. September nun das erste von bislang drei angekündigten Hörspielen von Folgenreich und Döring vor, für die H.G. Wells die literarische Grundlage lieferte. Ca. 118 Minuten hat der Zweiteiler, der in vieler Hinsicht ein echter Döring ist, zugleich aber auch anders, als so mancher vielleicht erwartet haben dürfte.

Zwar nimmt sich Döring die Freiheit, den Ausgangspunkt der Geschichte von Jahr 1899 in die 1970er zu verlagern, und aus dem im Buch namenlosen Zeitreisenden wird der Dozent Jack Milton, der auf dem Gebiet der Zeitdilatation forscht, doch ansonsten hält ich das Hörspiel recht eng an den Verlauf von Wells' Roman. Die Zeitreise ins Jahr 802701, die Begegnung mit den Eloi und insbesondere Weena, die Konfrontation mit den Morlocks, der Trip in eine sogar noch weiter entfernte Zukunft - nahezu alle zentralen Elemente dieses Klassikers der Science-Fiction-Literatur haben es in die Vertonung geschafft. Einzig die Sozialkritik von H.G. Wells – er hatte die Entstehung der Morlocks aus den elenden Lebensumständen der Arbeiter im England des späten 19. Jahrhunderts abgeleitet – ist im Hörspiel großteils auf der Strecke geblieben. Stattdessen behandelt der Subtext des Hörspiels das Spannungsfeld zwischen Mensch und Technologie, das Instrumentalisieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu militärischen Zwecken und das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft. Legte schon der Zeitreisende in der bekannten Verfilmung des Stoffes aus dem Jahre 1960 auf dem Weg in Jahr 802701 einen Zwischenstopp ein, so tut er dies im vorliegenden Hörspiel ebenfalls. Jenseits des 50. Jahrhunderts trifft er dort auf eine Gesellschaft ohne materielle Nöte, jedoch gleichzeitig auch ohne individuelle Freiheit, wo er schnell als Fremdkörper wahrgenommen und eiligst die Flucht durch die Zeit antreten muss. Und bekanntlich hat auch die auf den ersten Blick so sorgenfreie Welt der Eloi ihre schreckliche Schattenseiten. Wohin Jack während seiner Zeitreise auch kommt, das reine Paradies findet er nie. Vielmehr offenbart sich ihm im Zeitverlauf die Zukunft der Menschheit, analog zu deren Vergangenheit, als ein Wechselspiel aus Epochen technologischer, sozialer sowie kultureller Blüte und dunklen Zeitaltern des Krieges und des zivilisatorischen Rückschritts. Doch trotz aller Widrigkeiten hat die Menschheit stets überlebt und besitzt auch noch in 800.000 Jahren Potenzial zur Entwicklung, wie Jack, zuerst vom Verhalten der Eloi entmutigt, durch den Kontakt mit Weena schließlich realisiert. In seinem Wunsch, die geistig trägen Eloi wachzurütteln, ähnelt Jack mehr dem Zeitreisenden George aus George Pals Verfilmung als dem Protagonisten aus Wells' Roman, der sich eher in der Rolle des neutralen Beobachters sah.

Dass Jack einen aktiveren Part einnimmt, kommt dem Hörspiel definitiv zugute, weil es dadurch erheblich an Dynamik gewinnt. Zu gefallen weiß darüber hinaus auch der Kniff, dass der Zeitreisende seine Erlebnisse mit einem Kassettenrecorder aufnimmt, da sich nun Spielszenen, Jacks Schilderungen gegenüber seinen Freunden und Tonbandaufnahmen abwechseln. Dem Bericht des Zeitreisenden verleiht dies mehr Lebendigkeit; lange monotone Erzählerpassagen werden geschickt vermieden. Hans-Georg Panczak spielt Jack Milton als einen Forscher, der begeistert ist von den Möglichkeiten seiner Erfindung, neugierig ist auf die Zukunft und den das, was er dort vorfindet, einigermaßen ernüchtert. Jack ist kein trockener Gelehrter, sondern ein geistig wie körperlich agiler Charakter, der die Handlung trägt und auch als Erzähler sehr gut funktioniert. Panczaks Berichte sind leidenschaftlich und Jack Miltons Wunsch, seine Freunde davon zu überzeugen, dass er ihnen die Wahrheit über seine Reise in Zukunft erzählt, jederzeit spürbar. Dieser Freundeskreis besteht aus Cabbs (Bernd Rumpf), Peter (Udo Schenk), Mr. Blank (Oliver Stritzel) und Mr. Chose (Reinhard Kuhnert), wobei Cabbs die Rolle des besten Freundes einnimmt, die im Roman Filby zukommt. Die vier Männer stehen ihrem Freund Jack durchaus wohlwollend gegenüber, bleiben ob seiner Geschichte jedoch bis zum Schluss skeptisch, was sie davon halten sollen. Dadurch bildet das Quartett einen gelungenen Kontrast zum Protagonisten des Hörspiels. In Weenas zarter Stimme dagegen spiegelt sich vor allem ihre kindliche Unschuld, und Luisa Wietzorek gelingt ein wunderbares Portrait dieser ungemein wichtigen Figur. Abgerundet wird der primäre Cast durch Susanna Bonaséwicz, die als resolute Mrs. Watchett die gute Seele des Hauses geben darf. Folgenreichs Hörspiele sind bekannt für ihre hochwertige Sprecherriege, und auch Die Zeitmaschine macht da keine Ausnahme, denn dem Label ist es wieder einmal gelungen, jede Rolle hervorragend zu besetzen. Unter Dörings Regie laufen alle Sprechschauspieler zu großer Form auf und lassen das Geschehen vor dem inneren Auge des Zuhörers lebendig werden. Ein Problem mit dem Spannungsbogen hat die Produktion dabei zu keiner Zeit, sondern weiß im Gegenteil ihre Spielzeit von fast zwei Stunden vielmehr dafür zu nutzen, eine Hörspieladaption vorzulegen, wie sie dieses bahnbrechende Werk der SF-Literatur verdient. Denn Oliver Döring - und das mag mache überraschen - hat erfolgreich der Versuchung widerstanden, die Handlung auf Action zu trimmen und mit einem überbordenden Sounddesign zu befrachten. Ohne Frage ist die Klangkulisse prächtig und verfehlt zu keiner Zeit ihre Wirkung (inklusive zweier Jumpscare-Momente, die der Autor und Regisseur sich nicht verkneifen wollte), doch ist sie kein Selbstzweck, sondern stellt sich voll und ganz in den Dienst eines Hörspiels, dessen große Werktreue einer tiefen Verbeugung vor der visionären Kraft von H.G. Wells gleichkommt. Was leicht ein Hörspiel hätte werden können, das lediglich von Wells' Roman inspiriert wurde, ist stattdessen ein akustisches Erlebnis geworden, das sich eng an die Vorlage hält und daher problemlos als Beleg dafür dienen kann, dass Die Zeitmaschine auch 122 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung in Buchform nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.

Genau so, wie Oliver Döring Die Zeitmaschine adaptiert hat, wünscht man sich die Vertonung eines berühmten Stoffes. Bei diesem Hörspiel greifen alle Elemente - von der Besetzung, über die Regie, die Klangkulisse bis hin zum Soundtrack - hervorragend ineinander und ergeben eine Audioproduktion, die Handcore-Fans von H.G. Wells und Liebhaber von exzellenten Hörspielen gleichermaßen überzeugen wird. Mit Das Imperium der Ameisen und Krieg der Welten wird es auf jeden Fall noch mindestens zwei weitere Wells-Hörspiele von Folgenreich geben. Nach Die Zeitmaschine darf man sich auf diese Adaptionen bereits jetzt schon riesig freuen.


Die Zeitmaschine ist ein Hörspiel von Folgenreich/Universal Music Family Entertainment. Seit dem 29. September 2017 ist der Zweiteiler im Handel erhältlich.




Vorschau: «Die Zeitmaschine - Teil 1 & 2» (von Folgenreich; ab dem 29.09.2017 im Handel)


Lange haben die Fans von Oliver Döring (u. a. Geisterjäger John Sinclair, Don Harris - Psycho-Cop, Star Wars, End Of Time, Foster) darauf gewartet, dass der bekannte Hörspielproduzent sich der Vertonung der berühmten Romane von H. G. Wells annimmt.. In einer Woche hat dieses Warten allerdings eine Ende. Dann nämlich beginnt Folgenreich mit der Veröffentlichung von Dörings Wells-Trilogie.

Den Auftakt markiert die akustische Umsetzung des legendären Wells-Romans Die Zeitmaschine, die in zwei Teilen und mit einer Gesamtspielzeit von ca., 118 Minuten am 29. September 2017 erscheinen wird. Später folgen noch das Einzelhörspiel Das Imperium Der Ameisen, basierend auf einer Novelle des 1866 geborenen englischen Autors, sowie einer der Science-Fiction-Klassiker schlechthin, der Hörspiel-Dreiteiler Krieg Der Welten, den Wells im Jahre 1898 verfasst hat.

H. G. Wells, dessen Œuvre etwa 100 Bände umfasst, ist hierzulande vor allem durch seine utopischen Geschichten bekannt. Gerade einer seiner ersten Romane Die Zeitmaschine gilt als Meilenstein der Science Fiction-Literatur und darüber hinaus als ein Schlüsselwerk zur Entstehung des Steampunk. Mittlerweile avancierte Wells selbst zur Kultfigur, und es wurde ihm in zahlreichen Romanen, Essays, Verfilmungen und Serien ein würdiges Denkmal gesetzt.

Die Zeitmaschine (org.: The Time Machine) aus dem Jahr 1895 ist die erste literarische Beschreibung einer Zeitreise in die Zukunft. Im Mittelpunkt der dystopischen Handlung steht ein junger Forscher und Erfinder, der mit einer selbstgebauten Zeitmaschine die Gegenwart des späten 19. Jahrhunderts hinter sich lässt und weit in die Zukunft der Menschheit reist. Im Jahr 802.701 angekommen, findet er schließlich eine Erde vor, auf der fast alles menschliche Leben erloschen ist – bis er auf das Volk der freundlich-naiven Eloi trifft, die scheinbar in paradiesischen Zuständen leben. Doch dann entdeckt er, dass die Eloi von den nachtaktiven, monsterartigen Morlocks, die im Untergrund leben, beherrscht und quasi als Schlachtvieh gehalten werden. Als er wieder in seine Zeit zurückreisen will, muss er entsetzt feststellen, dass seine Zeitmaschine heimlich von den Morlocks gestohlen wurde und er in dieser vollkommen fremden Welt gestrandet ist...

Döring (er zeichnet neben dem Skript auch für Regie und Schnitt verantwortlich) versetzt die Erfindung der Zeitmaschine in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts, in die Zeit nach der ersten Mondlandung, der ersten Personal Computer und der Concorde, in der die technologische Entwicklung ähnlich große Schritte gemacht hat, wie zur Zeit des Fin de Siècle. Ebenso waren die 70er-Jahre erneut eine Epoche der Angst vor Kriegen, Weltuntergang und unkontrollierbaren neuen Technologien, was den heutigen Hörern den moralischen Hintergrund des Zeitreisenden näher bringt. 

Der 48-jährige Oliver Döring starte seine Karriere als freier Journalist, Autor und Comedy-Macher für diverse  Rundfunkanstalten. Erste Erfolge feierte er 1998 mit der in NRW sehr populären Radio-Comedy Die Eins Live-Retter. Sein Durchbruch in der Hörspielbranche gelang ihm im Jahr 2000 als Autor und Regisseur der Hörspielserie Geisterjäger John Sinclair. Unter Verwendung hochwertiger Sound-Effekte und mit einem fast ausnahmslos aus bekannten Synchronschauspielern bestehenden Ensemble betrieb er einen für eine kommerzielle Hörspielproduktion bis dato beispiellosen Aufwand. Seine Produktionen finden bei Kritikern und Publikum gleichermaßen großen Anklang, und er gilt als einer der erfolgreichsten Regisseure des phantastischen Hörspiels.

Da Oliver Döring stets hohe Ansprüche an seine Sprecher stellt, ist auch Die Zeitmaschine wieder mit erfahrenen Schauspielern und Hollywood-Synchronsprechern wie Hans-Georg Panczak (u. a. Stimme von Mark Hamill, Richard Thomas, "Harry Shearer") als Erfinder Jack,  Bernd Rumpf (Liam Neeson, Alan Rickman, Alfred Molina), Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Kevin Bacon), Oliver Stritzel (Philip Seymore Hoffman, Dwayne Johnson, Josh Brolin), Reinhard Kuhnert (William H. Macy, Peter Coyote, Victor Garber), Susanna Bonaséwicz ("Bibi Blocksberg", Isabelle Huppert, Sissy Spacek) oder Luisa Wietzorek (Emma Roberts, Isabel Lucas, Jenna Coleman) und vielen anderen hochkarätig besetzt.

Die Zeitmaschine Teil 1 & 2 erscheint bei Folgenreich/Universal Music Family Entertainment. Am 29. September 2017 kommt das Hörspiel in den Handel.

Rant: Wer lesen kann, erspart sich Peinlichkeiten!


Mann, was waren das doch für schöne Zeiten, als die Menschen nicht nur die Überschriften lasen, sondern auch die Artikel selbst. Unzählige sinnfreie Kommentare wurden durch dieses bisschen Aufwand niemals verfasst, und die Kommentierenden selbst ersparten sich dadurch jede Menge Peinlichkeiten. Aber machen wir uns nichts vor: Diese Ära ist weitgehend vorbei, denn selbst jene, deren Beruf das geschriebene Wort ist, fallen inzwischen offenbar der Seuche des Überschriftkommentierens anheim.

"Judge Dredd kommt zu Netflix!", weiß der deutsche Verlag Cross Cult heute auf Facebook zu verkünden und verlinkt in diesem Zusammenhang auf einen Artikel der WebsiteDigitalspy.com vom 12. September 2017 mit der Überschrift "Judge Dredd: Mega-City One TV series on Netflix starring Karl Urban – release date, cast and everything you need to know." Nach der Lektüre des Beitrags lässt sich dessen Inhalt mit einem einzigen Satz zusammenfassen: Nichts genaues weiß man nicht! Die Produzenten der geplanten Serie hätten zwar gerne Karl Urban wieder in der Hauptrolle als Judge Dredd, Urban wäre auch gewillt, den Part nach 2012 ein weiteres Mal zu übernehmen, aber unterschrieben ist noch nichts. Die Macher haben zwar jede Menge Ideen, was sie in der Serie gerne an Geschichten erzählen würden, aber in diesem frühen Stadium können sie dazu noch nichts Konkretes sagen. Wenn es nach den Produzenten geht, könnte Judge Dredd: Mega-City One in zwei Jahren anlaufen. Oder auch früher. Oder auch später. Das hängt alles vom Verlauf der Produktion ab. Und Netflix? Angeblich hat der Streaming-Anbieter Interesse an der Serie, aber einen Vertrag zwischen Rebellion Productions und Netflix gibt es...noch nicht.


Damit wir uns recht verstehen: Als Fan des Films Dredd fände ich eine Netflix-Serie Judge Dredd: Mega-City One mit Karl Urban in der Hauptrolle einfach nur großartig. Ob sie nun 2018, 2019 oder später kommt, ist mir dabei völlig gleichgültig. Und ich kann verstehen, dass sich die Produzenten lieber bedeckt halten, um keine Erwartungen zu wecken, die sie später vielleicht doch nicht erfüllen können. Und selbst Digitalspy lasse ich sein plumpes Clickbaiting noch durchgehen. Aber sich nicht einmal zwei Minuten Zeit zu nehmen, einen Artikel zu lesen, ehe man irgendeinen Unsinn in die Welt setzt, der bereits ein Dutzend Mal geteilt wurde, während ich diese Zeilen schreibe, ist einfach nur peinlich. Erst recht, wenn diese Peinlichkeit von einem Verlag begangen wird. Man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag bewerten, heißt es immer so schön. Stimmt. Aber einen Artikel nicht aufgrund seiner Überschrift zu kommentieren, definitiv auch.

Hörspielrezension: «Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine» (Titania Medien)


Am vergangenen Freitag veröffentlichte Titania Medien mit Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine das dritte von insgesamt vier Hörspielen, die das Label auf Basis von Romanen des SF-Pioniers H.G. Wells dieses Jahr im Rahmen seiner Reihe Gruselkabinett präsentieren wird. Vorausgegangen waren Folge 120/121: Der Unsichtbare und Folge 122: Die Insel des Dr. Moreau; den Abschluss markiert Folge 124/125: Der Krieg der Welten am 25. August 2017. Doch bevor die Außerirdischen über die Erde herfallen, steht nun erst einmal eine Reise in die ferne Zukunft auf dem Programm, die jedoch Ende des 19. Jahrhunderts ihren Ausgang nimmt.

Im viktorianischen England des Jahres 1894 staunen die beiden Gäste eines Wissenschaftlers nicht schlecht, als dieser ihnen eröffnet, dass es seiner Meinung nach nicht nur theoretisch möglich sei, sich in der Zeit zu bewegen, sondern er vielmehr sogar eine Maschine gebaut habe, mit der Reisen in der vierten Dimension möglich seien. Als Beleg für die der Richtigkeit seiner Behauptungen lässt er zunächst ein funktionstüchtiges Modell der Zeitmaschine vor den Augen der Anwesenden zu einer Zeitreise aufbrechen und präsentiert ihnen anschließend sogar das Original. Doch seine Freunde bleiben weiterhin skeptisch. Kurzentschlossen beschließt der Zeitreisende daraufhin, als Beweis selbst einen Trip in die Zukunft zu unternehmen. Dieser wird ihn ins Jahr 802701 führen...

Wells' Roman erschien erstmals 1895, die Filmadaption aus dem Jahre 1960 (Regie: George Pal) ist einer der Klassiker des Science-Fiction-Kinos. Und an beidem hat sich Titania bei seiner Version von Die Zeitmaschine orientiert: Die Beschreibung der Zeitmaschine und insbesondere das Cover verweisen eindeutig auf den Film, während es Wells' Sozialkritik – verpackt in die Überlegungen des Zeitreisenden über die Gründe für die Aufspaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks – es vom Buch ins Hörspiel geschafft haben. Und auch jene Szene, in der der Zeitreisende sogar noch weiter in die Zukunft reist, ist enthalten. Die Werktreue in diesen Punkten freut den Kenner der literarischen Vorlage natürlich - umso scherzhafter vermisst man darum jene Kapitel des Romans, die bei dessen Vertonung unter den Tisch gefallen sind. Davon, dass der Protagonist die Relikte der inzwischen untergegangenen Zivilisation untersucht, ist nun nicht mehr die Rede. Auch der Blick auf die unterirdische Welt der Morlocks fällt sehr knapp aus. Und wer darüber hinaus erleben möchte, wie die Morlocks dem Zeitreisenden und Weena nachts im Wald nachsetzen, muss dafür das Buch oder alternativ die vom Splitter Verlag seit Anfang Juni 2017 angebotene Comicadaption lesen. Indem Titania die Handlung des gerade einmal 150 Seiten umfassenden Romans auf das Notwendigste reduziert, passt Die Zeitmaschine mit ca. 58 Minuten Laufzeit zwar problemlos auf eine Einzel-CD. Doch deren Kapazität von um die 80 Minuten hätte man eingedenk des Stellenwerts, den dieser Roman besitzt, wenigstens ausschöpfen können. Werktreue beweist das Hörspiel hingegen in Sachen Erzählperspektive: Sowohl das Buch als auch seine Vertonung beginnen und enden mit Filby als Erzähler; den Hauptteil der Handlung agiert der Zeitreisende in dieser Funktion. Der Erzähleranteil fällt bei dieser Produktion recht hoch aus, und bisweilen bewegt sie sich schon an der Grenze zur inszenierten Lesung. Auch auf diese Weise spart die Produktion zwar Laufzeit, nimmt dabei jedoch in Kauf, dass dem Publikum von Ereignissen eins ums andere Mal lediglich berichtet wird, anstatt den Hörer das Geschehen unmittelbar erleben zu lassen. Der Dynamik des Hörspiels sind ausgedehnten Erzählerparts leider sehr abträglich, so dass als Konsequenz daraus die Hörerschaft zwar immer noch ein recht interessantes Hörspiel erlebt, jedoch kein übermäßig spannendes.

Besetzt hat Titania die Hauptrolle des Zeitreisenden mit Sascha von Zambelly, der es versteht, die unterschiedlichen Facetten der Figur hörbar herauszuarbeiten. Man nimmt ihm den angesichts der Möglichkeiten der Zeitreise euphorischen Wissenschaftler ebenso ab, wie auch die Enttäuschung, die sich im Zeitreisenden breit macht, als er die Zustände im Jahr 802701 vollends realisiert. Von Annina Braunmiller-Jest ist als Weena dagegen in erster Linie naive Unschuld in der Stimme gefragt, in die sich immer wieder auch Ängstlichkeit mischt. Beides liefert die erfahrene Sprecherin mühelos. Claus Thull-Emden ist ein sympathischer Filby zu dem Matthias Lühn als ewiger Skeptiker Gregson einen schönen Kontrast bildet. Der fürsorglichen Haushälterin Mrs. Watchett verleiht das Spiel von Marianne Mosa die nötige Statur. Die Soundkulisse bestimmen weitgehend dezente Geräusche, doch diese reichen absolut aus, um vor dem inneren Auge des Hörers ein plastisches Bild von der Welt des Jahres 802701 zu erzeugen. Für den musikalischen Rahmen kommen mit Geigen oder Flöten klassische Instrumente zum Einsatz, wie sie von einer Geschichte, die im viktorianischen Zeitalter ihren Anfang nimmt, zu erwarten waren. Einen besonderen Akzent setzt die Produktion jedoch durch einen Chor, dessen Stimmen im Verlauf des Hörspiels mehrfach zur wirkungsvollen Unterstützung der Stimmung eingestreut werden. Rein akustisch weiß das Hörspiel also durchaus zu gefallen.

Manche Hörer, die durch Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zum ersten Mal mit Wells' Geschichte vom Zeitreisenden in Berührung kommen, werden sich hinterher vielleicht die Frage stellen, warum ausgerechnet dieser Roman als Klassiker des SF-Genres gehandelt wird. Verdenken könnte man es ihnen nicht. Titanias Adaption des Stoffes schlägt über weite Stecken eine bedächtige Gangart ein und gibt sich von der Tonlage her unaufgeregt. Mag es auch der Vorlage entsprechen, dass der Protagonist im Hörspiel in erster Linie die Position eines kultivierten Beobachters einnimmt, machen seine weitgehend nüchternen, in ausführlichen Erzählerpassagen vermittelten Schilderungen aus dem Hörspiel eine eher leidenschaftslose Angelegenheit. Zumal Elemente des Buches, die zur Dynamik beigetragen hätten, bei der Vertonung keine Beachtung fanden. Vor dem Hintergrund dieser Hypothek können auch die guten Sprecherleistungen sowie der ansprechende Klangraum nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine zu deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, um als wirklich überzeugende Hörspieladaption dieses berühmten Science-Fiction-Romans gelten zu können.


Gruselkabinett Folge 123: Die Zeitmaschine ist ein Hörspiel von Titania Medien. Seit dem 30. Juni 2017 ist es im Handel erhältlich.



Hörspielrezension: «Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea» (Frank Hammerschmidt & Hoerspielprojekt)


Nur knapp einen Monat nach Zukunfts-Chroniken Live: Jasmin geht heute bereits eine weitere Folge von Frank Hammerschmidts anthologischer SF-Hörspielserie an den Start. In Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea entführt der Autor seine Hörerschaft dieses Mal auf die koranische Halbinsel, wo am Ende des 21. Jahrhunderts die Konfrontation zwischen Nord und Süd ein Ende gefunden hat – mit unschönem Ausgang für das demokratische Südkorea. Doch eine Möglichkeit bleibt noch, etwas dagegen zu unternehmen. Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea hat eine Spielzeit von ca. 35 Minuten und feiert heute Abend ab 20:00 Uhr seine Premiere im Webradio von hoerspielprojekt.de . Anschließend ist das Hörspiel als kostenfreier Download verfügbar.

Die Zukunfts-Chroniken. Bisher wurden sie noch nicht niedergeschrieben, aber wir alle nähren diese Zeilen. Heute, hier und an anderen Orten. Die Zukunft kann beginnen...
Südkorea 2095. Das Land wird von den nordkoreanischen Nachbarn überrant. Eine einsame Agentin wird durch die Zeit geschickt, um den Diktator Gang San-Hung zu töten. Doch es kommt alles anders. (Klappentext)

Seit H. G. Wells' Roman Die Zeitmaschine hat das Thema der Zeitreise einen festen Platz in der Phantastik bzw. Science-Fiction und übt auf das Publikum eine unverändert große Faszination aus. Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil jeder sich schon einmal gewünscht hat, einen Sprung in die Vergangenheit zu machen, um begangene Fehler korrigieren oder frühere Epochen der Menschheit hautnah erleben zu können. Nun legt Frank Hammerschmidt im Rahmen seiner Reihe Zukunfts-Chroniken seine eigene Zeitreisegeschichte vor, die mit einer spannenden Prämisse und einem interessanten Handlungsort punkten kann. In Asien angesiedelte Hörspiele sind eher die Ausnahme – da freut es, dass Hammerschmidt seine Story dort angesiedelt hat. Und einen Gegenwartsbezug gibt es mit dem Konflikt zwischen Pjöngjang und Seoul auch. Natürlich kommt dem erfahrenen SF-Fan beim Lesen des Klappentextes sofort der Plot von James Camerons Terminator in den Sinn - und im Hörspiel wird an einer Stelle sogar auf den Streifen Bezug genommen -, doch das tut der Sache keinen Abbruch. Wie es sich für ein Hörspiel mit überschaubarer Laufzeit gehört, hält sich die Handlung nicht lange mit Vorreden auf, sondern kommt direkt zur Sache: Die Protagonistin Natalia Cho (Stephanie Preis) wird mit einer Actionszene etabliert, der Zeitsprung ist schnell vollzogen und Südkoreas letzte Hoffnung kann ihre Mission im Nordkorea des Jahres 2045 beginnen. Hammerschmidt schreibt die heutigen Zustände fort und schildert den diktatorisch regierten Norden als ein Land im Stillstand, gezeichnet von Verfall und Armut in den ländlichen Regionen. In der Hauptstadt sieht es etwas besser aus, doch bleibt der Wohlstand auch dort recht bescheiden. Erwartungsgemäß muss sich Natalia zunächst orientieren und hat einige Hürden zu überwinden, doch Schritt für Schritt kommt sie der Erfüllung ihres Auftrags näher. Für den Moment, an dem sich die Handlung zuspitzt, hat Frank Hammerschmidt sich einen Twist aufgespart, der aber nur bedingt funktioniert, weil man ihn die ganze Zeit über irgendwie hat kommen sehen. Aber das ist nicht das eigentliche Problem: Das besteht vielmehr darin, dass das, was nach der Wendung geschieht, angesichts dessen, was für Natalia auf dem Spiel steht, de facto keinen Sinn ergibt. Zugegeben, die letzte Szene des Hörspiels wäre so nicht nicht möglich, wenn es davor logisch weitergegangen wäre. Doch stellt sich die Frage, ob dieser Schluss es wert war, eine bis dahin solide Handlung derart ad absurdum zu führen. Eine Geschichte wie diese steht und fällt in erheblichem Maße mit ihren Ende – und das von Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea wirkt leider inhaltlich unbefriedigend.

Neben Stephanie Preis als Natalia Cho sind in den weiteren Hauptrollen Horst Kurth als Gang Kyusung, Achim Klotz als Dr. Park Chang Uk und Jan Borden als Lim Phuong zu hören. Das Quartett leistet saubere Arbeit, ist mit Spielfreude bei der Sache und weiß die Charaktere mit Leben zu erfüllen. Gleiches lässt sich auch über die Besetzung der zahlreichen kleinen Nebenrollen sagen. Werner Wilkening geleitet als Erzähler den Hörer mit markanter Stimme souverän durch das Geschehen. In diesem Punkt kann die Reihe ihr bisheriges Niveau problemlos halten. Kontinuität herrscht auch beim gelungenen Sounddesign und der Abmischung, für die zum wiederholten Male die Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld verantwortlich zeichnet. Der Handlung wird durch dezent eingesetzte Geräusche ein plastischer Rahmen verliehen; die Musikauswahl ist stimmig, besitzt das nötige „asiatische Flair“ und trägt somit ihren Teil zur Atmosphäre bei. Optisch eingestimmt auf Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea wird man dieses Mal wieder von einem attraktiven Cover, designt von Thorsten Adams auf Grundlage eines Bildes von Magdalena Bednarek.

Der Plot von Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea kommt auf den letzten Metern ins Straucheln. Bis dahin bietet das Hörspiel dem Hörer jedoch ein kurzweiliges Zeitreiseabenteuer vor dem Hintergrund einer reizvollen Ausgangssituation. Aus diesem Grunde und wegen der ansprechenden Leistung der beteiligten Sprecher sowie der stimmungsvollen Klangkulisse lohnt es sich dennoch, dem neuesten Eintrag in die Annalen kommender Tage seine Aufmerksamkeit zu schenken. Ab heute Abend besteht die Gelegenheit dazu.


Zukunfts-Chroniken: Gestern oder noch davor in Korea ist ein Hörspiel von Frank Hammerschmidt in Zusammenarbeit mit hoerspielprojekt.de und der Hörspiel-Werkstatt Bad Hersfeld. Die Premiere findet am 30. Juni 2017 ab 20:00 Uhr im Webradio von hoerspielprojekt.de statt. Danach kann die neue Folge kostenfrei heruntergeladen werden.


Hörspielrezension: «Der Krieg der Welten» (Mediabühne Hamburg/Lübbe Audio)


Am 21. September 2016 jährte sich der Todestag von Herbert George Wells - Autor von Science-Fiction-Klassikern wie Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine und Der Krieg der Welten – zum siebzigsten Mal. Ein Datum mit Signalwirkung für alle, die Wells' Geschichten gerne adaptieren würden. Denn waren dafür bislang Lizenzgebühren zu entrichten, fallen diese seit dem 1. Januar 2017 nun weg. Da überraschte es nicht, als Ende letzten Jahres gleich mehrere Label ankündigten, 2017 Hörspiele basierend auf den Werken des berühmten Briten veröffentlichen zu wollen. Den Anfang im Reigen der Wells-Vertonungen machte dabei die Mediabühne Hamburg mit ihrer viereinhalbstündigen Version von Der Krieg der Welten, die am 24. April von Lübbe Audio in den Handel gebracht wurde.

1898: Das Team einer Polarexpedition entdeckt im Eis einen brodelnden Krater und geht zunächst von einem Meteoriten aus. Bald aber mehren sich die Einschläge überall auf der Welt – Vorboten eines Vernichtungsfeldzuges, dem die Menschheit nichts entgegenzusetzen hat... (Ankündigungstext)

Es ist durchaus legitim, Der Krieg der Welten als eine Abenteuergeschichte über die Auseinandersetzung zwischen der Menschheit und einem außerirdischen Aggressor zu begreifen. Wells hingegen wollte seinen Roman in erster Linie als eine Kritik am Kolonialismus verstanden wissen und seinen Landsleuten vor Augen führen, wie es sich anfühlt, ohne Vorwarnung von einer technologisch überlegenen Macht, für die man keine Bedrohung darstellt, erobert zu werden. Die Leser sollten spüren, wie viel Verzweiflung und Leid damit verbunden sind, wenn eine Gesellschaft plötzlich aus den Angeln gehoben wird, Gesetze keine Bedeutung mehr haben und man hilflos mit ansehen muss, wie um einen herum grundlos Menschen abgeschlachtet werden. Wenngleich die damalige Presse nicht müde wurde, die Kolonialkriege als ein großes Abenteuer zu verbrämen: Für die Eroberten waren sie alles als das.

Welche Intention Wells mit seinem Roman verfolgte, hat die Mediabühne Hamburg sehr wohl verstanden. Daran lässt dieses Hörspiel keinen Zweifel. In Abkehr von der literarischen Vorlage, welche die Invasion der Außerirdischen aus der Sicht einen namenlosen Protagonisten schilderte, erzählt die Adaption das Geschehen jedoch aus gleich mehreren Perspektiven. Die primären Erzählstränge folgen dabei den Brüdern Cillian und Fergus McBiggs (verkörpert von Sascha Rotermund und Andreas Fröhlich ), die in den Wirren des Krieges getrennt werden und sich auf unterschiedlichen Wegen zum Örtchen Leatherhead durchschlagen, wo Cillians Ehefrau Olivia (Patricia C. Beck ) auf die beiden wartet. Fergus' Wegbegleiter ist der Pater Nicolas (Santiago Ziesmer), während Cillian die junge Norma Ogilvy (Elise Eikermann) in seine Obhut nimmt, deren Vater, der Astronom Charles Ogilvy (Michael Bideller), zu den ersten Opfern der Außerirdischen zählt. Ständig mit dem Tode bedroht, erleben die Hauptfiguren nicht nur die Schrecken eines erbarmungslosen Eroberungsfeldzugs, sondern Blicken zudem auch immer wieder in die Abgründe der menschlichen Seele. Die eigene mit inbegriffen. Die hauptsächlichen Handlungsstränge verzahnt das Hörspiel geschickt miteinander, in die darüber hinaus auch noch einige Nebenlinien eingeflochten werden. Durch die sich daraus ergebenden zahlreichen Ortswechsel und sogar gelegentliche Rückblenden besitzt Der Krieg der Welten in den ersten zwei Stunden eine hohe Dynamik, während in der zweiten Hälfte das Tempo etwas gedrosselt wird. Ging es bis dahin die erste Reaktion der Menschen auf das über sie unvermittelt hereinbrechende Unheil, wirft die Geschichte nunmehr einen Blick darauf, wie die Überlebenden der ersten Angriffswelle mit den neuen Verhältnissen umgehen. Soll man sich in das scheinbar unvermeidliche Schicksal der Ausrottung ergeben? Oder stattdessen den Kampf suchen - wohl wissend, dass man ihn ohnehin nicht gewinnen kann? Oder sogar mit den Eroberern kollaborieren, um die eigene Haut zu retten? Die Figuren des Hörspiels geben auf diese Fragen ganz unterschiedliche Antworten und offenbaren dadurch die volle Bandbreite des menschlichen Wesens. Von Wells vor über 100 Jahren als Kritik am Kolonialismus geschrieben, macht die Interpretation der Mediabühne aus der Geschichte einen bedrückenden Kommentar zu den Flüchtlingskrisen unserer Zeit. Und als Studie menschlichen Verhaltens in Extremsituationen gewinnt die Handlung sogar zeitlose Relevanz.

Damit die Handlung ihre volle Wirkung entfalten kann, setzt die Mediabühne Hamburg auf einen so umfangreichen wie namhaften Cast, dessen Dialoge in eine wuchtige, jedoch nicht effekthascherische Soundkulisse eingebettet wurden. Wie die Musik, so stellt sich auch der sonstige Klangraum voll und ganz in den Dienst der Geschichte – stets bestrebt, das Geschehen emotional berührend zu begleiten und den Hörer nicht aus jener düsteren Stimmung zu entlassen, die das Hörspiel von Beginn an durchzieht. Den Sprecherinnen und Sprechern wiederum gelingt es, den zahlreichen Figuren Profil zu verleihen und so den Hörer für Cillian, Fergus und Co zu interessieren. Waren die Personen in Wells' Roman eher funktional angelegt - wie schon erwähnt, hat der Protagonist im Roman nicht einmal einen Namen -, so sind hat man es in diesem Hörspiel nun tatsächlich mit vielschichtigen Persönlichkeiten zu tun, an deren Schicksal man darum unweigerlich Anteil nimmt. Bei der Besetzung der Rollen hatte die Mediabühne Hamburg also definitiv eine überaus glückliche Hand.

Mit Der Krieg der Welten ist der Mediabühne Hamburg eine Produktion gelungen, die sich mit Fug und Recht als intensives Hörerlebnis beschreiben lässt. Das Hörspiel orientiert sich in zahlreichen Punkten eindeutig an Wells' Roman, nimmt sich jedoch die Freiheit, eigene Akzente zu setzen . Wer sich auf dieses Hörspiel einlässt, der wird Zeuge einer akustischen Tour de Force im Gewand eines SF-Klassikers, der immer noch nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Im Gegenteil: Den Machern ist es vielmehr gelungen, durch eine zeitgemäße Inszenierung und die Fokussierung auf die Ausgestaltung der Charaktere der Handlung neue Seiten abzugewinnen. Und darum sollte nauch jene bei diesem Hörspiel zuschlagen, die Der Krieg der Welten bereits als Roman oder eine der Verfilmungen kennen. Denn so intensiv hat man die Invasion der Außerirdischen noch nie erlebt.


Der Krieg der Welten ist ein Hörspiel der Mediabühne Hamburg im Vertrieb durch Lübbe Audio. Seit dem 24. April 2017 ist es im Handel.  



Der Watchman on Tour: Hörmich 2017 (24. Juni 2017)


Seit 2013 findet einmal im Jahr in Hannover die Hörspielmesse Hörmich statt. Schon die letzten zwei, drei Jahre hatte ich vor, die Veranstaltung zu besuchen, doch private wie berufliche Gründe verhinderten dies eins ums andere Mal. Aber dieses Jahr stand dem Trip in die Stadt an der Leine glücklicherweise endlich nichts mehr im Wege. Entsprechend neugierig und gespannt war ich darauf, was mich auf der Messe erwarten würde. Die Reise von Aachen nach Hannover verlief reibungslos – wenn man mal davon absieht, dass ich bereits um sechs Uhr morgens den Zug besteigen und somit sehr früh aufstehen musste. Aber immerhin konnte ich während der Fahrt ja noch etwas Schlaf nachholen. In Hannover gegen 10 Uhr angekommen, gab es erst einmal ein zweites Frühstück, ehe ich mich zum Kulturzentrum FAUST aufmachte, das ich nach einer ca. 15 minütigen Fahrt mit der Stadtbahn und einem kurzen Fußweg kurz nach 11 Uhr erreichte. Das Kulturzentrum FAUST ist ein ehemaliges Fabrikgelände und versprüht daher einen durchaus rustikalen Charme, der aber dafür sorgt, dass es sehr ungezwungen zugeht. Die Location ist sehr übersichtlich, was für mich als erstmaligem Besucher von Vorteil war, denn man findet sich schnell zurecht. Außerdem befindet sich auf dem Gelände praktischerweise ein Biergarten, wo man unter Bäumen Pause machen oder bei einem warmen oder kühlen Getränk für einen Plausch zusammensitzen kann.

Schon kurz nach 11 Uhr war die Messe gut besucht; vor dem Pavillon, wo das Eintrittsgeld zu entrichten war, hatte sich eine kleine Schlange gebildet. Und bereits dort ergab sich zum ersten Mal jenes Szenario, das sich den Tag über noch oft wiederholen sollte: Ich traf auf jemanden, den ich schon seit geraumer Zeit aus Foren oder den sozialen Netzwerken kannte, aber noch nie getroffen hatte. Und nach einer herzlichen Begrüßung ergab sich sogleich ein längeres Gespräch. Darum dauerte es ein bisschen, ehe ich schließlich den Raum mit den Ausstellern in Angriff nehmen konnte. Und an dieser Stelle muss ich allen Ausstellern erst einmal das Kompliment machen, sich unter den herrschenden klimatischen Bedingungen fantastisch geschlagen zu haben. Am Samstag waren es in Hannover angenehme ca. 21 Grad, doch im Messeraum herrschte jedoch immer noch das Wetter von Donnerstag. Oder anders gesagt: Es war verdammt warm! Sich in diesem Raum aufzuhalten, war für alle eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch im Gegensatz zu den Fans, die einfach mal für einige Zeit rausgehen und sich abkühlen konnten, schafften das die Hörspielmacher nur selten oder gar nicht. Dafür war einfach den ganzen Tag über zu viel Betrieb. Dennoch präsentierten sich alle Aussteller gut gelaunt, waren sehr engagiert und mit Begeisterung bei der Sache. Mit den Machern ins Gespräch zu kommen, war übrigens trotz der erfreulich hohen Besucherfrequenz problemlos möglich. Und diese zeigten sich für den direkten Austausch mit den Fans stets offen, freuten sich über Feedback und gaben gerne Auskunft. Einigen Machern hatte ich mein Kommen im Vorfeld angekündigt, und die Freude, sich endlich mal zu begegnen, anstatt nur per Email, Facebook etc. zu kommunizieren, war auf beiden Seiten jedes Mal richtig groß. Auch im Allgemeinen hatte ich den Eindruck, dass die Hörmich 2017 ein sehr harmonisches Miteinander von Hörspielenthusiasten war. Vom Bild des "Haifischbeckens", dass das Fandom bisweilen in Foren oder anderswo abgibt, war an diesem Samstag nichts zu sehen. Nach dem Ende der eigentlich Messe (danach gab es noch das Livehörspiel von Dorian Hunter, das ich aber nicht besucht habe), saß ich noch im Biergarten mit einigen Leuten zusammen, um den Messetag ausklingen zu lassen. Wie es immer so ist, wenn es richtig Spaß macht, verging die Zeit viel zu schnell, die Stunden rasten nur so dahin und gegen 20:45 Uhr hieß es dann für mich, von der Hörmich Abschied zu nehmen und den Heimweg Richtung Aachen anzutreten. Gegen 2:00 Uhr nachts lag ich dann im Bett: Total erschöpft aber dankbar, einen solch tollen Tag erlebt zu haben!

Highlights:

Thomas von "Lukes Meinung" (links)
 und der Watchman
Zu einem Messebericht gehört natürlich, dass man auf die persönlichen Highlights eingeht. Die Hörmich 2017 hatte in dieser Hinsicht jede Menge zu bieten - für nicht wenige wird sicherlich die Begegnung mit der "Hörspielkönigin" Heikedine Körting, die im wahrsten Sinne des Wortes stundenlang Autogramme gegeben und für Fotos mit Fans posiert hat, das Highlight schlechthin gewesen sein. Da es mein erster Besuch war, war die Messe selbst ein einziges Highlight! Die Begegnungen mit so vielen tollen Leuten und all die interessanten Gespräche haben aus diesem Samstag einen ganz besonderen Tag gemacht, der noch lange in mir nachklingen und stets mit schönen Erinnerungen verbunden bleiben wird. An dieser Stelle ein ganz herzlicher Gruß an meinen Blogger-Kollegen Thomas von Lukes Meinung! Es war toll, Dich nach Jahren endlich mal persönlich getroffen zu haben! Thomas' Bericht über die Hörmich 2017 mit zahlreichen Fotos findet ihr hier.

Während der Hörmich bestand natürlich jede Menge Gelegenheit, das Ersparte in Hörspiel-CDs umzuwandeln. Und die Besucher haben davon auch ausgiebig Gebrauch gemacht. Ich habe es dieses Mal dabei belassen, mir einige Erinnerungsstücke mitzubringen. So etwa die CD von Midnight Sin – 01 – Sudames Lockruf: Markus Duschek, Chef des Labels Midnight Seagull Media, hatte die Sudame-Autorin Kristina Lohfeldt zur Hörmich mitgebracht, mit der ich mich ein bisschen über ihre Geschichte unterhalten konnte. Mit Markus selbst habe ich während der Messe und insbesondere auch noch abends ein sehr interessantes Gespräch über seine Hörspiele geführt. Beim Label Ohrenkneifer habe ich eine CD von IRIS erstanden. Ich hatte zwar schon eine, doch nun besitze ich eine mit den Unterschriften der drei Ohrenkneifer Dirk Hardegen, Detlef Tams und Marc Schülert.. Lars Dreyer-Winkelmann von RRR Audiovisuelle Medien war so nett, mir die neue Promo-CD seines Labels mitzugeben. Heliosphere 2265-Autor Andreas Suchanek hatte bei Facebook geschrieben, dass jeder, der an seinen Stand kommt, ein Fan-Paket (Tüte, ein Dose Vuko, Postkarten) erhält. Und so war es auch. Da ich die Hörspiel-CDs alle schon besitze, habe ich mir das schicke Hardcover mit den Folgen 1 bis 4 der Romanserie gegönnt, auf der die Hörspiel basieren. Andreas hat für mich mit einer Widmung versehen.
























Fazit und Ausblick:

Die Hörmich 2017 war eine wunderbare Messe und ein für mich ein echtes Erlebnis. Es hat sich definitiv gelohnt, die Reise nach Hannover unternommen zu haben. Und darum möchte ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin. 

Die Hörmich 2018 findet am 30. Juni 2018 statt. Veranstaltungsort wird in Hannover dann das Kulturzentrum PAVILLON unweit des Hauptbahnhofs sein.