Hörspielrezension: TimeShift 4 - A Past And Future Shadow (BlackDays)


Als Ergänzung zum Markt der kommerziellen Hörspiele sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Non-Profit-Produktionen entstanden, welche im Internet kostenlos zum Download angeboten werden. Bei ihnen stehen nicht finanzielle Erwägungen im Vordergrund, sondern einzig der Spaß an der Umsetzung selbstgeschriebener Geschichten. Inzwischen konnten sie sich als legitimer Bestandteil der Hörspielszene fest etablieren und einige Serien verfügen bereits über eine stattliche Fangemeinde. So auch die Zeitreise-Serie TimeShift von den BlackDays, deren vierte Episode mit dem Titel A Past And Future Shadow seit vergangenem Sonntag von der offiziellen Website der Serie heruntergeladen werden kann. Seit August 2011 mussten die Anhänger auf das neue Abenteuer von Shaun McKenzie und seinem Gefährten Dulgar warten, doch das Ausharren hat sich gelohnt.

In Folge 4 irrt Shaun McKenzie immer noch ziellos durch die Zeit und findet sich plötzlich im Südfrankreich des 16. Jahrhunderts wieder. Was zunächst nach Entspannung von den bisherigen Strapazen bei Wein, gutem Essen und vielleicht sogar einer schönen Frau aussieht, schlägt schnell ins Gegenteil um, denn scheinbar ist just in diesem Moment in Marseille eine Pestepidemie ausgebrochen. Als ob dies allein nicht schon schlimm genug wäre, werden Shaun und Dulgar auch noch von einem mysteriösen Fremden überfallen, der es offenbar auf die fortschrittliche Technik des Revisors abgesehen hat. Zur gleichen Zeit trifft JD am CERN eine folgenschwere Entscheidung für seine Zukunft...

Es ist wirklich eine schöne Sache, wenn man als Hörer miterleben kann, wie sich eine Serie Folge um Folge entwickelt und verbessert. Schlecht war TimeShift zwar nie, vor allem von der Story nicht, doch es vergingen die ersten beiden Episoden, bis sich die Sprecherinnen und Sprecher in ihren Rollen einfanden bzw. vor dem Mikrophon sicherer werden, wenngleich die Spielfreude grundsätzlich immer hörbar vorhanden war. In puncto Soundkulisse machte die Serie schon von Beginn an insgesamt einen guten Job und auch die Musik ging durchaus in Ordnung, so dass nach Folge 3 eigentlich nur noch der Schnitt ein größerer Kritikpunkt war. Die Probleme mit dem Spannungsbogen in Folge 2 hatte man im Nachfolger bereits beseitigt. Bei TimeShift 4: A Past And Future Shadow arbeiteten die BlackDays mit dem Label Soundtales Productions zusammen, das ebenfalls kostenlose Hörspiele produziert und konnten zudem Erwin Spielvogel von Eston Audio-Production für den Schnitt und das Sounddesign gewinnen. Die Entscheidung, das Projekt TimeShift für externe Unterstützung zu öffnen, war goldrichtig, denn die aktuelle Folge profitiert deutlich von dem neuen Input.

So bringt die Kooperation mit den Soundtales der Serie erfahrene Gastsprecher wie Peter Rupprecht, Dagmar Bittner oder Jörg Buchmüller ein, die ihre Rollen sehr überzeugend verkörpern und damit maßgeblich zur Wirkung der Story beim Hörer beitragen. Da sie es aber nicht darauf anlegen, Stammsprecher wie Lars Conrad (Shaun) oder Jens Ewald (Dulgar) an die Wand zu spielen, geht der Mix unterm Strich sehr gut und daher zum Nutzen des Hörspiels auf. Alexander Linß, Kajta Linß, Sebastian Breit und Bernhard Schlax nehmen ihre Rollen aus den vorangegangenen drei Folgen wieder auf, in denen sie sich inzwischen merklich wohlfühlen. Wie bereits angedeutet, stellte der Schnitt zuletzt noch die letzte größere Baustelle von TimeShift dar. Dieser hat sich nun mit Erwin Spielvogel von Eston Audio-Productions ein Profi auf dem Gebiet angenommen. Mit seinem Können kitzelt er aus den Szenen jene Nuancen heraus, die den Unterschied zwischen einem ordentlichen und einem guten bzw. sehr guten Cut ausmachen. Außerdem kreierte er das Sounddesign von Folge 4 und hebt beide Bereiche auf ein Niveau, das keinen Anlass zur Klage mehr bietet.

Die Story selbst nimmt den Erzählfaden des Vorgängers auf und entwickelt diesen weiter. Besonders über Dulgar und die Spezies des Revisoren erfährt man in der neuen Episode erheblich mehr, wodurch sich das TimeShift-Universum sehr erweitert. Zwar ist dafür einiges an Exposition nötig, doch wird der Fortgang der Handlung dadurch nicht unnötig verzögert, denn was hier ausgeführt wird, ist für den übergeordneten Zusammenhang von Relevanz und darum von großem Interesse. Der Episode fehlt es nicht an Dramatik, doch es sind die Charaktermomente, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben, weil viel Wert darauf gelegt wurde, plastische und deshalb greifbare Figuren zu schaffen, an deren Schicksal man als Hörer Anteil nehmen möchte. Dies ist keine geringe Leistung, denn Zeitreise-Geschichten können auch schnell in oberflächliche Action ausarten. So etwas hat sicherlich auch seinen Reiz, doch ist es schön, dass man in dieser Serie nach wie vor einen anderen Weg verfolgt. Mit ca. 77 Minuten hat TimeShift 4 eine ähnliche Laufzeit wie die zweite Folge, kommt allerdings deutlich kompakter daher, weil dieses Mal der Spannungsbogen stimmig ist. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die beiden Erzählstränge der Geschichte gut mit einander verzahnt wurden und sich in den jeweiligen Zeitebenen einschneidende Ereignisse zutragen. Wer möchte, kann in TimeShift 4 sogar etwas lernen, nämlich mehr über die Historie der Stadt Marseille und die Theorie des Tunnel-Effekts aus der Quantenmechanik. Eine nette Idee, zumal die Infos kurzweilig eingestreut wurden. Lars Conrad ist wieder ein sehr ansprechender Plot gelungen, der Lust auf mehr macht. Und das nicht nur wegen des bösen Cliffhangers. Schäm dich, Lars.

Wie die anderen Teile zuvor auch, so kann man sich TimeShift 4 als Multitrack mit 256 Kbit oder als Singletrack mit 128 Kbit herunterladen. Dem Download liegt auch eine Textdatei mit den Credits bei. Das schöne Cover von Lars Conrad gibt es auf der Homepage als separaten Download. Warum man es nicht gleich zum Bestandteil des Gesamtpaketes gemacht hat, erschließt sich irgendwie nicht. Angesichts eines Downloads in der Größe von 177 MB (für den Multitrack) bzw. 76 MB (Singletrack) hätten vier weitere Megabyte nun auch keine Rolle mehr gespielt.


Bei allem professionellen externen Input schafft es die Serie TimeShift auch mit der neuen Folge, ihrem Charakter als unbeschwerte Independent-Hörspielproduktion abseits des kommerziellen Marktes treu zu bleiben. Wo man Unterstützung von außen nötig hatte, wurde diese gesucht und auch angenommen. Das Resultat kann sich mehr als hören lassen, denn herausgekommen ist mit TimeShift 4: A Past And Future Shadow ein ansprechendes wie kurzweiliges Zeitreise-Hörspiel, das neugierig auf die Fortsetzung macht, welche sich bereits in Planung befindet. Den ewigen Zweiflern sei es ins Stammbuch geschrieben: Kostenlose Hörspiele können wirklich gut sein. TimeShift 4 ist ein Beleg dafür.



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