Rezension: Parasit - Die Symbiose (Hoerspielprojekt)


Mit Beginn der 1950er Jahre hielt die Idee, Aliens könnten von Menschen Besitz ergreifen oder diese gar kopieren, erstmals in stärkerem Maße Einzug in die Science-Fiction. Vor dem Hintergrund der damals in den USA vorherrschenden Angst vor einer Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft durch Kommunisten, die sich zu einer regelrechten Paranoia auswuchs und in der Hexenjagd des berüchtigten Senators McCarthy und seinem Komitee für unamerikanische Umtriebe gipfelte, brachte Hollywood Filme wie Gefahr aus dem Weltall (It Came from Outer Space, 1953), Invasion vom Mars (Invaders from Mars, 1953) oder Die Dämonischen (Invasion of the Body Snatchers, 1956) in die Kinos. In ihnen machen Personen, die den Protagonisten ansonsten gut vertraut sind, unerklärliche Verhaltensänderungen durch und schrecken teilweise sogar vor Mord nicht zurück. Diese Menschen sind nicht plötzlich durchgedreht (was die Hauptfiguren zunächst immer annehmen), sondern stehen unter der Kontrolle von Außerirdischen, die in der Mehrzahl die Eroberung der Welt planen. Ihre beklemmende Spannung bezogen diese Streifen zumeist aus dem Umstand, dass es auch für den Zuschauer bald nicht mehr absehbar war, wer bereits von den Invasoren umgedreht wurde und wer nicht. Für sein neues Hörspiel Parasit – Die Symbiose hat sich Autor und Regisseur Hans-Peter Stoll, vom Invasionskino jener Ära  mehr als deutlich inspirieren lassen. Seit dem 19. August steht es beim Hoerspielprojekt zum kostenlosen Download bereit.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Sylvia Foster (Dagmar Bittner). Diese soll ihren Mann Bernhard (Tim Gössler) durch einen Sturz aus dem ersten Stock des gemeinsamen Hauses umgebracht haben. Beim Verhör durch die Polizei tischt sie Chief Detective Brunner (Werner Wilkening) eine unglaubliche Geschichte auf: Angeblich sei am frühen Morgen irgendetwas vom Himmel heruntergefallen und habe ein tiefes Loch im Garten des Hauses hinterlassen. Dies sei der Beginn einer Reihe von mysteriösen Ereignissen gewesen, die ihren Höhepunkt in dem Fenstersturz des Ehemanns gefunden habe. Dumm für die Glaubwürdigkeit von Sylvias Geschichte ist jedoch der Umstand, dass von diesem Loch ist nichts mehr zu sehen ist. Dr. Stan Philips (Hans-Peter Stoll), renommierter Psychologe und zugleich Vorgesetzter und Vertrauter von Sylvia Foster wird hinzugezogen und soll klären, ob die Gute den Verstand verloren hat oder ob wirklich an ihrer Geschichte etwas dran ist.

Parasit – Die Symbiose ist handwerklich durchaus sauber ausgeführt, schafft es jedoch absolut nicht, beim Hörer einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, weil es der Story eklatant an eigenen Ideen mangelt. Vielmehr kommt die Produktion als ein Vehikel für Hauptsprecherin Dagmar Bittner daher, der ausgiebig Gelegenheit gegeben wird, auf der emotionalen Klaviatur  rauf und runter zu spielen. Von Verwirrung und Furcht bis hin zu Verzweiflung und Wut muss sie für ihre Rolle alles abrufen und macht dies wirklich gut, wie auch  Tim Gössler, der die geforderte Gefühlskälte seines Parts überzeugend transportiert. Doch was nützt dies alles angesichts eines Plots, der einen so langen Bart hat, dass man dieses Hörspiel eigentlich nur bei voller Lautstärke hören kann, weil sich einzig auf diese Weise die Bartwickelmaschine übertönen lässt, welche die gesamte Laufzeit von ca. 45 Minuten über schreiend an der Belastungsgrenze arbeiten muss. Da kann sich auch der übrige Cast, bestehend aus Hannah Jöllenbeck, Werner Wilkening, Christiane Marx, Andrea Bannert, Stefanie Puke, Freddy Bee, Roman Ewert, Jan-Julian Eiben und Tom Westerholt, noch so schön ins Zeug legen und die Sound- bzw. Musikkulisse mag noch so stimmig sein, nach spätestens zehn Minuten ahnt man bereits, wohin der Hase storytechnisch laufen wird. Der weitgehend twistfreie Plot bestätigt im weiteren Verlauf die ersten Annahmen. Da sie sich bereits im Vorfeld ankündigt, zielt auch die Schlusspointe ins Leere, wodurch es dem Hörspiel verwehrt bleibt, zumindest mit dem Finale noch ein Ausrufezeichen zu setzen. So bleibt es bei einem müden Lächeln.

Es war eigentlich von Beginn an  klar, dass Parasit – Die Symbiose nach sechs Jahrzehnten, in denen die Thematik der Alien-Invasion ausgiebig beackert wurde, das Rad nicht neu erfinden würde. Dass unterm Strich nicht mehr dabei herausgekommen ist als ein blutleeres Bodysnatchers-Remake, ist jedoch nicht zuletzt deshalb schade, da alle Beteiligten in ihrer Freizeit etliche Stunden Arbeit in die Produktion investiert haben. Da stimmt es schon traurig, dass man dieses Hörspiel einzig unter der Bedingung empfehlen kann, dass man ihm als Hörer lediglich mit einer geringen Erwartungshaltung entgegentritt. Ganz oben auf die Prioritätenliste braucht man sich als Hörspielfan Parasit – Die Symbiose auf jeden Fall nicht zu setzen.



Kommentare:

  1. Du wirfst den Autor mangelnden Einfallsreichtum vor, kannst aber selbst nur Kritiken schreiben, bei denen einem die Fußnägel einschlafen. Habt ihr "Kritiker" eigentlich eine Vorlage für solche Verrisse? Die klingen nämlich alle auffallend gleich: pseudo-böse, selbstverliebt und gehässig (Bartwickelmaschine. Haha. Ach, watt hamwa jelacht.)

    Es gibt negative Kritiken, die ich durchaus gern lese und die ich schätze, selbst wenn ich anderer Meinung bin. Solche Kritiken zu schreiben, scheint allerdings eine Kunst zu sein - eine Kunst, die du nicht beherrschst.

    Abschließend kann man nur sagen: Mit dieser Kritik hast du "das Rad nicht neu erfunden". Man kann diese Kritik nur unter der Bedingung empfehlen, dass man ihr mit "geringer Erwartungshaltung entgegentritt". (Ach, ich liebe solche Phrasen.)

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  2. Hallo Enrico,
    vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für einen Kommentar genommen hast. Es mag Dir nicht gefallen, dass und wie ich dieses Hörspiel rezensiert habe, doch wer mit einer Produktion an die Öffentlichkeit geht, muss auch harschere Kritik aushalten können.

    Der Autor von "Parasit - Die Symbiose" kann dies ohne jede Einschränkung und hat mir nach Veröffentlichung der Rezi darüber hinaus signalisiert, dass er es gut findet, wenn Leute sich auch die Mühe machen was zu schreiben, wenns ihnen nicht gefallen hat.

    Wie er also mit meiner Kritik leben kann, so kann auch ich mit Deinem Statement gut leben, denn mir liegt sehr viel am Meinungspluralismus.

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