Hörspielrezension: "Lightstreams 10: Ich bin der Schmerz" (Mindcrusher Studios)


Es sind Abgründe der menschlichen Seele und Mysterien jenseits unseres Alltag, die von den Mindcrusher Studios in der anthologischen Hörspielserie Lightstreams ausgeleuchtet werden. Neun sehr abwechslungsreiche Folgen gab es bisher und seit dem 27. Juli steht nun eine neue Produktion mit dem Titel Ich bin der Schmerz zum kostenlosen Download bereit. Nomen est Omen möchte man im Hinblick auf den Plot der Story sagen – allerdings gilt dies nicht für die Ohren der Zuhörer, denn diese werden durchaus verwöhnt.

Lightstreams 10: Ich bin der Schmerz stammt aus der Feder (oder wohl besser: der Tastatur) von Marco Ansing, der dafür seine gleichnamige Kurzgeschichte adaptierte, welche im Jahre 2010 in dem Sammelband Rache! Die besten Geschichten der Storyolympiade 2009/2010 des Wurdack-Verlags veröffentlicht wurde. Erzählt wird von einer Gesellschaft, die einen nuklearen Krieg überlebt und zum Schutz gegen den Fallout über ihrer Stadt eine Betonkuppel errichtet hat. Zwei Ingenieure, die mit der Kontrolle jenes Computersystems beauftragt sind, von dem die Metropole abhängig ist, weil alle lebenswichtigen Einrichtungen vollständig automatisiert wurden, werden am eigenen Leib zu spüren bekommen, wohin diese Abhängigkeit führen kann.

Mit knapp 20 Minuten Laufzeit bleibt auch diese Ausgabe der Lightstreams dem etablierten Format der Reihe treu und obwohl vordergründig die beiden Ingenieure Erich und Julia, gesprochen von Ralf „Searge“ Pappers und Caroline Therese Wolff, die Hauptfiguren sind, steht eindeutig „Der Schmerz“ im Zentrum der Handlung, dem Martin Sabel eine Stimme gibt. Worum es sich bei ihm handelt – ein Gefühl, eine Person oder vielleicht beides – bleibt lange offen und diese Frage ist Kernstück der Spannung und des Reizes dieser Erzählung. Sabel ist sicherlich eine Idealbesetzung für diese Rolle, denn er spielt alle Facetten des Schmerzes in einer Weise durch, die den Hörer keinesfalls unberührt lassen kann. Pein, Qual, Wut, Raserei und Hass werden eindringlich an das Ohr des Publikums transportiert und wenngleich man lange nicht weiß, wer oder was da leidet, so steht eines sehr schnell fest: Nichts und Niemand hat dieses Schicksal verdient.

Damit man sich als Hörer aber nicht nur für „den Schmerz“ interessiert, sondern zudem auch einen Bezug zu den Figuren Erich und Julia entwickeln kann, hat Ansing sie mit Charakterzügen ausgestattet, die zwar nicht übermäßig ausgefeilt sind (immerhin handelt es sich um ein Kurzhörspiel), jedoch im Kontext der Erzählung gut funktionieren. Das Duo Pappers-Wolff bietet eine ansprechende Leistung und wird damit den Erwartungen des Publikums absolut gerecht. Abgerundet wird der Cast durch Maren Pauler und Autor Marco Ansing selbst, die in kleinen Rollen als Computerstimme bzw. als Fahrzeugstimme zu hören sind. Den Bewahrer, der die Geschichten stets einleitet und resümiert, spricht wie bisher auch Markus Raab.

Die Verantwortung für Schnitt, Effekte und Musik lud sich Florian Hoppe auf die Schultern, der sich der anspruchsvollen Dreifachbelastung durchweg gewachsen zeigt. Hoppe besorgte für die letzten Folgen der Mindrushers-Serie Der Boon den Dialogschnitt und legt hier nun ein atmosphärisches und stimmiges Gesamtwerk vor, dessen Abmischung sauber ausgeführt ist und daher keinerlei Anlass zur Klage bietet. Zu jeder Produktion der Mindcrusher Studios gehören Front- und Backcover zum Ausdrucken und für Lightstreams 10: Ich bin der Schmerz hat sich Sebastian Hartmann dieses Mal sogar eine interessante Variante des bislang stets zum Einsatz gekommenen Covers einfallen lassen, die sehr schön zur Geschichte dieses Hörspiels passt.

Angeblich sind aller guten Dinge drei, doch im vorliegenden Fall sind derer zehn, denn Lightstreams 10: Ich bin der Schmerz ist eine spannende und knackige Geschichte, die vor allem jene ansprechen dürfte, die auf der Suche nach Hörfutter jenseits der ausgetreten Pfade sind. So bitter nötig die Hörspiellandschaft allgemein solche Impulse hat, so selten sind sie leider auch. Umso erfreulicher ist es, dass die Mindcrusher Studios mit den Lightstreams ein Format im Portfolio haben, das solche Reizpunkte setzt und ihm auch in Zukunft treu bleiben wollen. 

Allerdings wird die Reihe nach Folge 10 in eine längere Pause gehen, wie Produzentin Oda Plein exklusiv verriet, denn sie wird sich in der nächsten Zeit zunächst ihrer neuen Mysteryserie Schattentrinker widmen. Zudem produziert sie für den Fabylon Verlag gerade als kommerzielles Projekt Die Chroniken von Waldsee als ungekürztes Hörbuch. Die bestehenden Fans werden die kommende Auszeit sicherlich bedauern, doch für Newcomer, die bislang noch nie in Kontakt mit den Lightstreams gekommen sind, ergibt sich so die Möglichkeit, die bisherigen zehn Folgen für sich zu entdecken. Außerdem: Beim einmaligen Anhören muss es ja nicht bleiben, denn die Geschichten der Reihe machen auch beim zweiten oder dritten Mal noch richtig Spaß.



0 Kommentare: