Rezension: Mark Brandis - Ikarus, Ikarus ... (Folgenreich/(Interplanar)


Dass der Einschlag eines Asteroiden geradezu katastrophale Folgen für den Planeten Erde und seine Bewohner hätte, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Nicht nur Wissenschaftler beschäftigen sich intensiv mit dieser absolut realen Gefahr, sondern auch Hollywood hat die Thematik immer wieder aufgegriffen. Genannt seien nur Meteor, Deep Impact oder Armageddon. In dem neuen Hörspiel Mark Brandis 26: Ikarus, Ikarus ..., das am 11. Oktober 2013 in den Handel kommt, sehen sich nun auch der Vormann der Raumnotretter und seine Crew mit einem solchen Szenario konfrontiert.

Die Handlung spielt im Jahre 2134 und wieder einmal bringt die unermessliche Geldgier Einzelner die gesamte Menschheit in Gefahr: Um die Bodenschätze des Asteroiden Ikarus besser ausbeuten zu können, soll dieser in Erdnähe durch die Firma Gumboldt Stellar verlagert werden. Eine riskante Operation - kann doch der kleinste Fehler in der Berechnung zur finalen Katastrophe führen, und der Asteroid stürzt auf die Erde… Deshalb wird Mark Brandis von seinem Ex-Chef John Harris gebeten, die Aktion und Gumboldt Stellar inoffiziell zu überprüfen. Als Brandis mit seiner Crew auf Ikarus ankommt, trifft er auf einen alten Erzfeind, der die ganze Unternehmung skrupellos sabotiert…

 Erneut ist Interplanar mit Mark Brandis: Ikarus Ikarus ... ein absolut spannendes und akustisch eindrucksvolles Hörspiel gelungen, das, nicht zuletzt auch durch die tolle Leistung des überzeugenden Casts, sein Publikum über die gesamten 71 Minuten mühelos zu unterhalten weiß. So mühelos, dass es den Produzenten durch die Art der Inszenierung fast gelingt, die spürbaren inhaltlichen Schwächen zu überdecken. Aber eben nur fast. Basierend auf Motiven der MB-Romane Ikarus, Ikarus ... und Alarm für die Erde aus der Feder von Nikolai v. Michalewesky, hat Autor Balthasar v. Weymarn ein Manuskript erstellt, das die Handlung nicht streng linear erzählt, sondern eine dramatische Szene aus dem späteren Verlauf an den Anfang stellt. Daran anschließend wird erläutert, wie es zu den vorab preisgegebenen Ereignissen kam und wie die Geschichte danach weitergeht. Dieses Stilmittel kann durchaus wirkungsvoll sein, doch im vorliegenden Fall birgt es den Nachteil, dass der Autor einen der großen Twists der Story unnötigerweise vorab enthüllt. Oder wie sich manche heutzutage auszudrücken pflegen: v. Weymarn spoilert hier grundlos die Hörer ganz massiv. Wer dies vermeiden möchte, sollte erst ab Minute 3:19 in die Geschichte einsteigen.

Nach dem nicht gerade optimalen Anfang nimmt der Plot zügig Fahrt auf und es entwickelt sich ein ansprechender Handlungsbogen, der, gespickt mit Action und Spannung, bis zum Showdown durchgehalten wird und der zudem den Boden für die nächste Folge bereitet, die vor Dramatik nur so strotzen dürfte. Während also vordergründig alles in Ordnung ist, ist man als Hörer leider darauf angewiesen, dass man über zu viele Details einfach nicht nachdenken darf, will man sich den Spaß an diesem Mark Brandis-Abenteuer nicht verderben. So darf man nicht darüber nachdenken, warum Sonnenflecken, welche die direkte Kommunikation zwischen Brandis und der Erde unmöglich machen, auftauchen und verschwinden, wie es gerade eben passt. Oder darüber grübeln, warum den Raumnotrettern vom korrupten Bürgermeister von Las Lunas gerade dann der Strom abgedreht wird, als es am unpassendsten ist. Ist eben so. Punkt. Während der Evakuierungsmission werden Stunden plötzlich zu Minuten und wer sich dafür interessiert, wie Brandis seine Crew, die kurz zuvor noch überzeugt war, ihr Vormann würde phantasieren, vom Gegenteil überzeugt hat, muss sich diesen Teil der Geschichte selbst ausdenken. Erklärt wird es nämlich nicht. Dass Brandis den Fiesling, der angeblich 26 Jahre lang an seinem Masterplan gebastelt hat, unterm Strich recht leicht überrumpeln kann, muss man ebenfalls kaufen.

Lässt man sich auf Mark Brandis: Ikarus, Ikarus ... ohne großes Nachdenken einfach ein, dann kann man in der gleichen Weise über diese Produktion urteilen, wie es die Filmwissenschaftlerin Jeanine Basinger 1998 über Michael Bays Armageddon tat. Sie hielt dem Film seinerzeit zugute, dass er gerade wegen seiner Schnelligkeit niemals langweilig werde. Dies gilt auch für dieses Hörspiel, das durchweg spannend ist, weil einerseits sein Plot atemlos vorangetrieben wird und andererseits die Protagonisten hohes Sympathiepotenzial aufweisen. Da dem Publikum in den vorangegangenen Geschichten immer wieder gezeigt wurde, dass die Produzenten sich nicht scheuen, auch etablierte Figuren sterben zu lassen, kann man sich als Fan also absolut nicht sicher sein, dass alle aus Brandis' Crew die Mission überleben. Dies sorgt für zusätzliche Dramatik.

Jochim C. Redeker und Balthasar v. Weymarn servieren mit diesem Hörspiel das akustische Äquivalent eines Blockbuster-Films, setzen also auf eine bombastische Soundkulisse und jede Menge Action, spielen mit einer bevorstehenden Apokalypse und stellen die dramatischen Bemühungen einer kleinen Gruppe wackerer Helden, die Katastrophe in letzter Minute doch noch abzuwenden, ins Zentrum ihrer Geschichte. Wer die Mark Brandis-Serie kennt, den wird diese Beschreibung sicherlich an die Folge 16 Operation: Sonnenfracht erinnern, was nicht von ungefähr kommt, denn auch inhaltlich wird der Bogen zum MB-Highlight Operation Sonnenfracht/Alarm für die Erde zurückgeschlagen. Wer Folge 16 mochte, wird wahrscheinlich auch Mark Brandis 26: Ikarus, Ikarus ... interessant finden und alle, die Filme gerne mit reichlich Popcorn genießen, haben ohnehin ihren Spaß.



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