Rezension: «Mole 2: Worm» (Hoerspielprojekt)


Anfang Januar 2012 veröffentlichte das Hoerspielprojekt die Produktion Mole aus der Feder von Frank Hammerschmidt, die seitdem zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Angesiedelt im England des Jahres 1899, sah sich die Bevölkerung in diesem Hörspiel einer Invasion gegenüber, die jedoch nicht wie bei H.G. Wells aus dem Weltall über sie hereinbrach, sondern aus den Tiefen des Erdreichs. Moles, mutierte Maulwürfe, hatten sich gegen die Menschheit verschworen, verschleppten Frauen und Kinder und töteten jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Erzählt wurde die Geschichte aus der Perspektive der 15-jährigen Abby Bowland, die zusammen mit der gleichaltrigen Lizzy in den Strudel der Ereignisse hineingezogen wird. Die beiden Mädchen begeben sich auf eine Reise voller Gefahren - nicht wissend, wann und wo die Moles das nächste Mal zuschlagen.

Wenngleich es auch kritische Stimmen gab, so erhielt Frank Hammerschmidt für sein Hörspiel jede Menge Lob von Seiten der Hörerschaft und da der Autor Mole von Beginn an als Zweiteiler konzipiert hatte, warteten seitdem zahlreiche Fans gespannt auf den Abschluss der Geschichte um Abby, Lizzy und die Moles. Diesen bekommen sie nun am heutigen Tag, dem 1. Dezember 2013, serviert, wenn Mole 2: Worm ab 20:15 Uhr im Webradio von Hoerspielprojekt Premiere hat. Anschließend wird das Werk zum Download freigegeben.

Am Ende von Mole war Abby und Lizzy die Flucht nach Irland gelungen, doch recht wohl fühlen sie sich dort nicht. Schicksalhafte Wendungen sorgen dafür, dass die Mädchen wieder nach England zurückkehren, wo die Gefahr durch die Moles immer noch nicht gebannt ist. Im Gegenteil: Die mutierten Maulwürfe haben in Form der riesenhaften Worms noch Verstärkung bekommen. Die öffentliche Ordnung existiert nur noch partiell, Warlords nutzen das Chaos für ihre Zwecke aus. Mehr als einmal müssen die Protagonistinnen ums Überleben kämpfen, doch sind sie wild entschlossen, sich vom Ziel ihrer Reise durch keine Unwägbarkeiten aufhalten zu lassen.

Auf beinahe 80 Minuten (inkl. Credits und Anmerkungen des Autors) bringt es Mole 2: Worm. Und wenngleich im Verlauf des Geschichte immer wieder Reizpunkte in Sachen Spannung gesetzt werden und insbesondere der Showdown nicht von schlechten Eltern ist, lässt dieses Hörspiel an Dynamik doch zu wünschen übrig. Das liegt vor allem daran, dass wie schon im ersten Teil die Ereignisse von Abby als Ich-Erzählerin in der Retrospektive geschildert werden - entsprechend oft und lange hört man, wie sie vor sich hin monologisiert. Dieses Stilmittel ist absolut legitim, doch die Chronistin berichtet über jedes Vorkommnis in der stets gleichen gedrückten Stimmung – nicht einmal in jenem Moment, als ein wichtiger Mensch aus ihrem Leben das Zeitliche segnet, geht sie aus sich heraus. Auf die Dauer wirkt dies auf den Hörer mitunter anstrengend. In der eigentlichen Spielhandlung wirkt Abby deutlich lebendiger und gerade im Zusammenspiel mit der energischen Lizzy gewinnt die Figur deutlich an Profil. Dies war auch schon in Mole so und Hammerschmidt war gut beraten, im Nachfolger das Verhältnis zwischen seinen Protagonistinnen weiter zu vertiefen. Das Hauptaugenmerk des Autors liegt nach wie vor darauf zu schildern, wie Menschen sich verhalten, wenn sie sich unvermittelt einer außergewöhnlichen Situation gegenübersehen. Was gelten Moral, Anstand und Ehrlichkeit noch, wenn sich scheinbar die Welt um einen herum auflöst? Die Personen dieser Geschichte geben ganz unterschiedliche Antworten darauf. Abby und Lizzy stehen für Integrität - ein selten gewordenes Gut in diesen unsicheren Zeiten. Doch immer wieder finden sie Verbündete, wenngleich manche Leute ihnen nicht gerade aus uneigennützigen Gründen helfen. Einige hingegen schon und sie zahlen dafür einen hohen Preis. Es sind die Charakterstudien, die das Kernstück des Plots bilden, und hier liegt auch die eigentliche Stärke dieses Hörspiels.

Der Fokussierung auf die menschlichen Charaktere ist es geschuldet, dass Hammerschmidt den Ursprung seiner Monstren nicht enthüllt. In den Erläuterungen zu Mole 2, die man sich in einem dreiminütigen Segment am Ende des Hörspiels zu Gemüte führen kann, stellt der Autor klar, dass er bewusst keine Erklärung dafür liefern wollte, woher die Moles und Worms tatsächlich kommen. Eine künstlerische Entscheidung, die man so akzeptieren muss. Hammerschmidt muss sich hingegen fragen lassen, warum er die Worms überhaupt in diesem Hörspiel einführt. Er vertieft dadurch zwar das Mysterium, welches die Moles umgibt, doch da er ohnehin nie vorhatte, es jemals aufzuklären, wirft er beim Hörer nur zusätzliche Fragen auf, deren Beantwortung er schuldig bleibt. Darüber hinaus sind die Worms nur für eine einzige Szene in dieser Geschichte wirklich relevant und selbst diese hätte sogar ohne ihr Auftauchen noch funktioniert. Wenn der Autor in den Worms erzählerisches Potential erkannt hat, nutzt er es zumindest nicht in überzeugender Weise.

Frank Hammerschmidt konnte für Mole 2: Worm erfreulicherweise auf nahezu alle Sprecherinnen und Sprecher des ersten Teils zurückgreifen. Anstelle von Paul Conrad hat nun Philip Gorges den Part des Finn Flynn übernommen, doch ansonsten ist Kontinuität Trumpf. Wie gehabt verkörpern Jamie Leaves und Christiane Marx die Protagonistinnen Abby und Lizzy - und erneut überzeugen sie in der Interpretationen ihrer Charaktere. Dies gilt auch für alle anderen Beteiligten. Marco Rosenberg, Sabine Graf, Marc Schülert, Dagmar Bittner, Ernszt Dubitzky, Herbert Ahnen, Horst Kurth, Janine Koch, Werner Wilkening, Sven Matthias und Karin Schumann sind nur ein Teil der bekannten Stimmen in diesem Hörspiel, die man bereits aus anderen Produktionen kennt und schätzt. Unter der Regie von Meinhard Schulte liefert der gesamte Cast eine Leistung ab, die sich absolut hören lassen kann.

Während Mole seinerzeit von Marc Schülert gecuttet wurde (der damals auch die Regie übernahm), zeichnet dieses Mal Autor Frank Hammerschmidt für den Dialogcut verantwortlich. Die finale Abmischung nahm Regisseur Meinhard Schulte auf sich. Unterm Strich kann man den beiden attestieren, eine saubere Arbeit abgeliefert zu haben, wenngleich der Klangraum etwas mager an Abwechslung ist. Einige zusätzliche Effekte hier und da hätten sicherlich für mehr Lebendigkeit und Atmosphäre gesorgt. Im ersten Teil gelang dies etwas besser. Dennoch muss sich Mole 2: Worm im Bezug auf Cut/Abmischung im Konzert der freien Hörspielproduktionen nicht verstecken. Die Musik von Martin Stelzle – der Titeltrack stammt von Marc Schülert – trifft die Stimmung in den jeweiligen Szenen gut, begleitet das Geschehen ansonsten aber eher dezent aus dem Hintergrund heraus. Solch ein musikalischer Ansatz, wie ihn Martin Stelzle hier gewählt hat, ist für ein Hörspiel dieser Art aber sicherlich angemessen. Das Cover von Herbert Ahnen für Mole 2: Worm variiert jenes des ersten Teils und weist wieder den gleichen viktorianischen Charme auf, der durch die Darstellung des Erdhügels, aus dem sich dieses Mal statt der Klauen der Moles die Worms erheben, kontrastiert wird.

Frank Hammerschmidt bleibt seinem Erzählstil aus Teil 1 treu, die Umsetzung ist von den Stimmen her überzeugend, im Bezug auf Cut und Endabmischung solide und mit Mole 2: Worm erfährt die Geschichte von Abby, Lizzy und den Moles einen befriedigenden Abschluss. Wem die beiden 15-Jährigen im Laufe von Mole ans Herz gewachsen sind und darum der Fortsetzung entgegengefiebert hat, wird sich von diesem Hörspiel gut unterhalten fühlen. Wer hingegen mit Mole seinerzeit so seine Schwierigkeiten hatte, den wird wohl auch Mole 2: Worm nicht restlos überzeugen.

Mole 2: Worm hat am 1. Dezember 2013 ab 20:15 Uhr im Webradio von Hoerspielprojekt Premiere. Im Anschluss kann man es sich kostenlos herunterladen.



Kommentare:

  1. Ich habe gerade "Mole 2" gehört und fand's gut. Wäre wirklich super, wenn da noch mehr folgt. Das Potenzial ist ja vorhanden.

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    1. Ich denke nicht, dass da so bald etwas nachkommt. Frank Hammerschmidt hatte es schon schwer damit, den zweiten Teil zu realisieren. Inzwischen setzt er mehr auf kürzere Produktionen. Aber man soll ja niemals nie sagen.

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