Hörspielrezension: «TimeShift 6 - Vigil By The Body» (Blackdays)


Ein Projekt aus der Welt des unkommerziellen Hörspiels, dessen Fortschritte ich seit Jahren mit großem Interesse verfolge, ist TimeShift von den BlackDays. Auf insgesamt acht Episoden haben Bernhard Schlax Lars Conrad, Alexander Linß, Jens Ewald ihre Zeitreise-Serie ausgelegt, die sich mit jedem neuen Teil inhaltlich wie auch von der Story her weiter steigern konnte. Ende November 2014 erschien die nunmehr sechste Folge mit dem Titel TimeShift 6: Vigil By The Body, die seit ihrem Release auf der Website der BlackDays zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Und erneut verschlägt es den Protagonisten Shaun McKenzie in eine spannende Ära und einen gefährlichen Ort.

Ferne Länder, gefährliche Zeiten und alte Feinde. Im Afghanistan kurz nach dem sowjetischen Einmarsch gerät Shaun McKenzie vom Regen in die Traufe, als er direkt nach seiner Ankunft aus dem Jahr 1900 festgenommen wird. Zu seiner großen Überraschung trifft er in seiner Zelle auf bekannte Gesichter. In Genf findet sich JD unversehens an einem Scheideweg wieder, als seine Spionagetätigkeit für Mr. Smith und MNTD an die Öffentlichkeit zu kommen droht. Während er noch nach einem Ausweg aus der Misere sucht, entschließen sich einflussreiche Kreise zum Eingreifen.

Das von der Roten Armee besetzte Afghanistan diente Schauplatz von Kinofilmen. Man denke nur an den Bond-Streifen Der Hauch des Todes oder Rambo III. Kamen die Sowjets vor dem dem Hintergrund des Kalten Krieges seinerzeit über den Status der eindimensionalen Bad Guys nicht hinaus, so bemüht sich TimeShift 6 um ein differenzierteres Bild. Zwar soll die Invasion in keiner Weise gerechtfertigt werden, doch im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass im Zeitalter der Blockkonfrontation der UdSSR aus ihrer Perspektive keine Alternative zu diesem Vorgehen blieb. Und eines wird zudem klar herausgestellt: Die Verantwortlichen hatten seinerzeit keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hatten. Diese Betrachtungen sind aber nur ein Element dieses Hörspiels, das sich ansonsten auf zwei Erzählstränge stützt, die zwar recht unterschiedlich gelagert, aber in gleichem Maße spannend für den Hörer sind. Den Plot um Prof. John Doe (genannt JD) lässt Lars Conrad dabei in eine entscheidende Phase eintreten. Die Entscheidung, die der Wissenschaftler des CERN trifft, besitzt eine Strahlkraft, die über das Finale von TimeShift 6 hinausgeht und Auswirkungen für die letzten Abschnitte der TimeShift-Saga haben wird - und man darf gespannt sein, was sich daraus noch entwickelt. Gleichzeitig bezieht die neueste Folge ihren Reiz aus einer emotionalen Achterbahnfahrt, die der Plot für den Protagonisten bereithält und die ihn dazu zwingt, gewisse Ansichten zu überdenken, die er über viele Jahre konserviert hatte. Wie JD, so geht auch Shaun verändert und in gewisser Weise gezeichnet aus den Geschehnissen hervor. Über die 64 Minuten Laufzeit werden die beiden Erzählstränge abwechslungsreich miteinander verwoben, so dass der Spannungsbogen trotz der zahlreichen Wechsel zwischen den Ebenen gewahrt bleibt. In die Falle, dass sich die Plots gegenseitig aufhalten, tappen die Macher nicht, denn das Erzähltempo ist angenehm hoch.

Was die Besetzung angeht, so versammelt das Hörspiel erneut das Stammpersonal Lars Conrad, Jens Ewald, Alexander Linß, Kajta Linß, Sebastian Breit und Bernhard Schlax. Hinzu kommen noch als Gastsprecher Valerie Mellini, Daniel Birkholz, Elisabeth Addicks, Sebastian Papstein, Klaus Schankin, Katja Schmidt, Pirmin Styrnol, Marcel Ellerbrok, Frank Schmidt, Kai Mohr und Benjamin Olah. Gemessen an dem, was man von einer unkommerziellen Produktion erwarten darf, ist die Leistung aller Beteiligten wirklich gut, der Einsatz ist da, die Spielfreude deutlich hörbar. Die eingesetzte Musik ist stimmig zur Handlung, das Sounddesign und die finale Abmischung durch Erwin Spielvogel von Eston Studio hinterlässt einen soliden und sicheren Eindruck.

Mit TimeShift 6: Vigil By The Body ist den BlackDays wieder eine schöne Folge gelungen, die zu unterhalten weiß und definitiv neugierig auf die Fortsetzung macht. Denn wenngleich nach der Veröffentlichung der aktuellen Folge nur noch zwei weitere Episoden ausstehen, zeichnet sich bislang noch nicht ab, wie die Macher ihren Protagonisten Shaun McKenzie nach Hause bringen wollen. Mal sehen, was die BlackDays noch in petto haben. Nimmt man die jüngste Produktion als Maßstab, dann kommt da noch einiges auf uns zu. Klasse!


TimeShift ist eine unkommerzielle Hörspielserie von BlackDays.de . Alle bislang erschienenen Folgen stehen auf der Website der Serie zum kostenlosen legalen Download bereit.


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1 Kommentar:

  1. Habe gerade die erste Folge von TimeShift nach 10 Minuten abgeschaltet, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. So viele Plattitüden, unverhohlenen Sexismus und infantiles Gelaber gepaart mit Stimmen, die nach pubertierenden Jungs klingen, die gerne Männer spielen — das muss erst einmal geschafft werden. Ganze drei Mal in 10 Minuten werden Frauen abfällig beschrieben: die Frau des Pförtners ("sie wirft schon wieder"), die Ex-Frau des Physikers ("diese Schlampe") und die System-Administratorin ("zu blöd, sich die Schuhe zuzubinden, aber sieht verdammt gut aus, aber lässt mich nicht ran"). Allein die Wortwahl spricht hier Bände über die Haltung des Autors. Die musikalische Untermalung ist dann auch vom Schlag World of Warcraft, was neben dem Sprachduktus und der benutzten Terminologie das Gefühl weiter verfestigt, es hier mit einer Gruppe lebensfrustierter IT-Administratoren zu tun zu haben. In einem Wort: schmerzhaft. Eine Amateurproduktion auf dem Niveau von 13-jährigen Jungs, die sich mit einem Aufnahmegerät in ein Baumhaus verkriechen. Früher wäre es auch dabei geblieben, heute wird so etwas ins Internet gestellt und für gut befunden.

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