Rezension: «Mark Brandis - Planetaktion Z» (Interplanar/Folgenreich)


Schon vor einiger Zeit ließ Interplanar verlauten, dass die Hörspielabenteuer von Mark Brandis mit Folge 32 ihren Abschluss finden werden. Und wenn heute nun Mark Brandis – Folge 30: Planetaktion Z offiziell in den Handel kommt, dann kann man mit Fug und Recht davon sprechen, dass sich die Serie damit definitiv auf der Zielgeraden befindet. Die Chance, sich in Ruhe auf die Rente vorzubereiten, geben Balthasar v. Weymarn und Jochim C. Redeker dem Weltraumhelden und Vormann der Gesellschaft zur Rettung Raumschiffbrüchiger allerdings nicht, sondern erschüttern im Gegenteil in diesem neuen Hörspiel die Welt der Protagonisten nachhaltig. Zu diesem Zweck greifen sie ein Thema auf, das leider nichts von seiner Aktualität verloren hat: Rassismus.

In Mark Brandis: Planetaktion Z führt ein Notruf den Rettungskreuzer Florence Nightingale zum Raumer Barrakuda. Im leeren Luxuskreuzer entdeckt Vormann Grischa Romen Spuren eines Verbrechens, das er sich nicht erklären kann. Als er zur Erde zurückkehrt, stellt er fest, dass sich das politische Klima der Union inzwischen verändert hat. Bereits ausgerottet geglaubte Fremdenfeindlichkeit ist wieder aufgeflackert, und bald muss der stolze Tzigan um sein Leben fürchten ...

Eine große Stärke der SF besteht seit jeher darin, dass sie, indem sie Probleme der Gegenwart oder der jüngeren Vergangenheit im Kontext einer in die Zukunft projizierten Handlung erörtert, sich diesen Themen widmen kann, ohne sich dem Vorwurf unzulässiger Parteinahme oder unangebrachter Vereinfachung auszusetzen. In dieser Tradition steht auch Mark Brandis: Planetaktion Z, dessen Handlung auf dem Erzählstrang aufbaut, der mit Mark Brandis: Ikarus, Ikarus... begonnen wurde. Wir erinnern uns: Nach der Zerstörung des auf die Erde stürzenden Meteors und der daraus resultierenden zwischenzeitlichen Verdunkelung der Atmosphäre herrscht große Nahrungsmittelknappheit auf der Erde. Auch in der aktuellen Folge hat die Regierung der Union diesen Zustand noch nicht in den Griff bekommen, der dazu führt, dass die Stimmung im Volk immer explosiver wird. Als es zu einer sinnlosen Gewalttat kommt, entlädt sich der Zorn der Masse und mündet in Hass und Verfolgung der Tzigani. Und die Mächtigen spielen nur zu gerne mit, da sie auf diese Weise von der desaströsen Versorgungssituation ablenken können.

Was die Erzählstruktur dieses 78 Minuten dauernden Hörspiels angeht, so macht Autor Balthasar v. Weymarn sehr viel richtig – nicht zuletzt dadurch, dass er mit Brandis' langjährigem Freund Grischa Romen, der dem Publikum nur allzu gut vertraut ist, ein Mitglied eben jener Volksgruppe in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, die sich unvermittelt einer massiven Anfeindung und Repressalien ausgesetzt sieht. Auf diese Weise bekommen die Verfolgen ein Gesicht, denn Grischas Schicksal steht stellvertretend für das von Hunderten seiner Landsleute. Und es ist ein Schicksal, das den Hörer nicht gleichgültig lässt. Den charakterlichen Wandel, den der Tzigan durchmacht, zeichnet v. Weymarn überzeugend nach, und der Autor nimmt es dafür sogar in Kauf, dass Mark Brandis dieses Mal über weite Strecken bestenfalls die zweite Geige spielt. Erst gegen Ende greift er massiv ins Geschehen ein und wird neben Grischa zur zweiten treibenden Kraft in er einer Geschichte, deren Finale sich das Prädikat „konsequent“ absolut verdient hat. Im Bezug auf die Erklärung für die aufflammende Fremdenfeindlichkeit, lässt die Story allerdings eine gewisse Konsequenz vermissen. So konnte es sich der Autor nicht verkneifen, neben den sozialen Umständen noch eine „biologische Ursache“ einzuführen, die nur geringes erzählerisches Potenzial besitzt, die Geschichte darum nicht wesentlich voranbringt, jedoch jene, die den Tzigani auf widerwärtige Weise zusetzen, ein ganzes Stück weit aus der Verantwortung für ihre Taten nimmt. Leider ein absoluter Schwachpunkt in einem Hörspiel, dem man ansonsten eine hohe atmosphärische Dichte, ein angemessenes Erzähltempo und einen gelungenen Spannungsbogen nicht absprechen kann. 

Von den regelmäßigen Sprechern sind dieses Mal zwar lediglich David Nathan (Grischa Romen), Michael Lott (Mark Brandis) und Mira Christine Mühlenhof (Bordsystem CORA) zu hören, doch dafür nehmen Gastsprecher wie Oliver Rohrbeck, Tanja Fornaro, Martin May oder Robert Vogel ihre Rollen wieder auf, die sie bereits in früheren Folgen verkörperten. Und wenn Leon Boden in einer Szene als Richard Westhoff auftritt, stellt dies eine schöne Verbindung zum Prequel Mark Brandis – Raumkadett her. Antje von der Ahe, Erich Räuker, Fabian Kluckert, Georg Matthias, Rainer Schmitt, Rainer Fritzsche, Walèra Kanischtscheff und Daniel Montoya vervollständigen einen Cast, der eine Performance auf jenem hohen Niveau abliefert, für das die Serie seit langem bekannt ist. Und da diese Produktion auch in Sachen Sounddesign und Musik - für beides zeichnet Jochim C. Redeker verantwortlich - nichts anbrennen lässt, hinterlässt Mark Brandis – Planetaktion Z akustisch einen rundum positiven Eindruck.

Problemfelder wie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind natürlich zu komplex, als dass ein 78 Minuten dauerndes Hörspiel sie erschöpfend behandeln könnte. Indem Planetaktion Z als eine leicht zu identifizierende Allegorie auf die Judenverfolgung im Dritten Reich daherkommt, findet die Geschichte jedoch einen adäquaten Zugang zu diesen Themen – zumal die Schatten der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte bis in unsere Gegenwart reichen. Doch schwingen die Macher nicht den moralischen Zeigefinger und bleiben damit ihrer Linie treu, indem sie nie aus den Augen verlieren, dass Mark Brandis eine Serie ist, die in erster Linie unterhalten will. Ein schwieriger Spagat, der Interplanar allerdings gelingt und dieses Hörspiel damit zu einer Empfehlung für jene SF-Fans macht, die sich nicht nur berieseln lassen wollen, sondern auf intelligente Unterhaltung Wert legen.

Mark Brandis: Planetaktion Z ist eine Produktion von Interplanar im Vertrieb durch Folgenreich. Das Hörspiel ist ab dem 30. Januar 2015 offiziell im Handel erhältlich.


Besonderer Tipp vom Watchman: Eine ebenfalls sehr lesenswerte Rezension zum neuen Mark-Brandis-Hörspiel findet sich auch bei Lukes Meinung.

Kommentare:

  1. Es gibt derzeit keine bessere Sci-Fi-Hörspielserie auf dem deutschen Markt. Gute Rezension!

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    1. Danke für das positive Feedback, Eric. In der Tat hinterlässt MB eine große Lücke in der SF-Hörspiellandschaft, wenn die Serie in ein paar Monaten ausläuft. Die zu füllen wird sehr schwer werden, denn Interplanar hat in Sachen Qualität meiner Meinung nach die Messlatte extrem hochgelegt.

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  2. Ich habe das bei MB nie so ganz verstanden: Sind das jeweils einzelne Geschichten, die in sich abgeschlossen sind, oder ist das eine zusammenhängende Serie?

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    1. Die ersten vier Folgen bilden den "Bürgerkriegs-Zyklus" und damit eine zusammenhängende Handlung. Die weiteren Geschichten sind vom Prinzip her in sich abgeschlossen, doch es gibt keinen "Reset-Button". Es gibt Rückbezüge auf frühere Folgen und Ereignisse haben Auswirkungen, die auch in nachfolgenden Hörspielen Relevanz haben bzw. spürbar sind. Einige Folgen kommen aber auch ohne diese Elemente daher und stehen komplett alleine.

      Die Antwort auf deine Frage muss also lauten: Es ist also ein wenig von allem dabei. :-)

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    2. Ok, also besser von vorne hören. Vielen Dank!

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    3. Gern geschehen! Von Beginn an zu hören, ist auf jeden Fall die totsichere Methode, da sich ein weiterer "Einstiegspunkt" erst mit CD/Folge 24 "Blindflug zur Schlage" ergibt. Der liegt aber sehr spät innerhalb der Serie, die es auf insgesamt 32 Folgen bringen wird. Darum sollte man mit Folge 1 starten.

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  3. Man kann's auch mit Pilgrim 2000 als allererster Folge versuchen (Folge 12 oder 13).

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