Hörspielrezension: «Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt» (Maritim)


Nach einem strapaziösen Ausflug zum Südpol in Folge 5: Das Geheimnis der Eissphinx geht es für Phileas Fogg, seine Frau Aouda und den Diener Passepartout wieder zurück Richtung Heimat. Zwischenstopp machen sie an Kap Horn. Doch selbst in diesem entlegenen Teil der Welt warten neue Abenteuer auf das Trio, denn bekanntlich ist das Böse immer und überall. Das neue Hörspiel Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt aus dem Hause Maritim ist mit einer Laufzeit von ca. 66 Minuten seit dem 7. Oktober 2016 im Handel.

Auf ihrer Reise über die Meere werden Phileas Fogg und seine Gefährten an einem einsam gelegenen Leuchtturm auf einer Insel vor der argentinischen Küste abgesetzt. Schnell wird deutlich, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und dass jemand ein falsches Spiel betreibt. Was haben beispielsweise die unheimlichen Leuchtfeuer unten in der Bucht zu bedeuten? Sind sie das Werk einer berüchtigten Piratenbande? Fogg wird klar, dass er einen harten Kampf ausfechten muss, um das Licht am Ende der Welt zu verteidigen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung mit alten und neuen Widersachern, die sich Foggs Tod auf ihre Totenkopf-Fahnen geschrieben haben. (Ankündigungstext)

Gerade einmal sechs Folgen oder anderthalb Staffeln ist Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg alt. Bedenkt man das große erzählerische Potential der Verne'schen Romane, an die sich die Hörspiele anlehnen, und die kreative Entscheidung der Macher, auch bekannte literarische Figuren anderer berühmter Schriftsteller die Wege von Phileas Fogg kreuzen zu lassen, dann wäre es höchst verwunderlich, wenn die Serie zu diesem frühen Zeitpunkt bereits erste Abnutzungsspuren zeigen würde. Und doch tut sie es, da sie jetzt schon damit beginnt, sich selbst zu zitieren. Streckenweise wähnt man sich in einem Remake von Folge 4: Der Elefant aus Stahl, wenn der Bösewicht (dieses Mal ist es Frankenstein, seinerzeit war es Robur) stolz sein Geheimversteck vorführt oder eine große Schlacht tobt, die für Fogg und Gefolge ungut auszugehen droht. Jedenfalls solange, bis abermals ein gewisser U-Boot-Kapitän sich wie ein Deus Maris aus den Fluten erhebt, um den Protagonisten wieder einmal das Hinterteil zu retten. Gut möglich, dass Marc Freund den von Markus Topf geschriebenen Plot von Folge 4 nicht kannte, als er seine Story für Folge 6 entwarf. Doch die Produzenten kannten sie und hätten den Autor dezent auf die Parallelen hinweisen können. Vielleicht waren sie ihnen aber auch nicht so wichtig, da die Verantwortlichen sich dem ungehemmten Eskapismus nicht in den Weg stellen wollten. Was Marc Freund dieses Mal (Folge 5 stammte auch schon von ihm) anzubieten hat, ist ein schmissiges Abenteuerhörspiel mit ordentlich Retro-Charme, das sich mit Inbrunst im Stile des Hollywood-Mainstreams dem Diktat des Unterhaltungswerts unterwirft. Anders ausgedrückt: Man sollte nicht den Fehler machen, die Story zu hinterfragen. Tut man es doch, stolpert man zwangsläufig über seltsame Zufälle, einige Ungereimtheiten und Vorhersehbares, mit dem zusammen mit jeder Menge Action die Handlung am Laufen gehalten wird. Dessen ungeachtet kann man dem Hörspiel allerdings mit gutem Gewissen das Attest ausstellen, die ca. 66 Minuten Spielzeit hindurch - die richtige Einstellung einmal vorausgesetzt - richtig Spaß zu machen. Sascha Draeger überzeugt erneut als viktorianischer James Bond in privater Mission, während man Dietmar Wunder (ironischerweise die Synchronstimme von Daniel Craig) seine Verkörperung des Mad Scientist Frankenstein problemlos abnimmt. Annina Braunmiller und Marius Clarén fühlen sich in ihren Rollen als Aouda Fogg und Passepartout hörbar wohl, wenngleich die Charaktere dieses Mal über den Status von Stichwortgebern nicht hinauskommen. Freuen darf man sich über ein Wiederhören mit K. Dieter Klebsch als Kapitän Nemo; und Christian Brückner, der als Jules Verne durch die Handlung führt, ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der ansprechende akustische Rahmen von Studio WinterZeit sorgt zusammen mit einem zupackenden Soundtrack für die richtige Atmosphäre, für die richtige Einstimmung auf das neue Abenteuer von Phileas Fogg das gelungene Cover von Mark Freier.

Da neben Frankenstein sich zudem Figuren aus Stevensons Die Schatzinsel in Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt ein Stelldichein geben, hat das Ganze mit Jules Verne zwar nur noch ungefähr so viel zu tun wie ein aktueller BMW der 7er-Reihe mit einer Isetta, doch das tut dem Fun-Faktor keinen Abbruch. In diesem poppigen Serienkosmos haben sie eben alle ihren Platz: Phileas Fogg und Viktor Frankenstein, Doktor Jekyll und Long John Silver. Was das Grundkonzept der Serie angeht, so erweist es sich auch nach sechs Folgen weiterhin als tragfähig und hat nichts von seinen Reiz eingebüßt. Gleichwohl ist das den einzelnen Folgen bzw. den Staffeln zugrundeliegende Schema für das Publikum inzwischen recht deutlich erkennbar und Motive beginnen sich zu wiederholen. Unterm Strich bereitet die gewählte Formel wie zuvor den Boden für ein eingängiges, kurzweiliges Hörerlebnis, das von einer attraktiven Sprecherleistung, dem schön gestalteten Klangraum und einem anständigem Erzähltempo lebt. Über den Unterhaltungswert hinaus besondere Akzente zu setzen, hat sie hingegen weniger im Sinn.



Jules Verne – Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg Folge 6: Der Leuchtturm am Ende der Welt ist eine Produktion von Maritim. Seit dem 7. Oktober 2016 ist sie im Handel erhältlich.


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