Hörspielrezension: «Heliosphere 2265 - Folge 7: Die Opfer der Entscheidung» (Greenlight Press/Interplanar)


Mit nichts Geringerem als einem mörderischen Cliffhanger am Ende der Folge 6: Die Bürde des Captains fand im Mai diesen Jahres die erste Halbzeit des Auftaktzyklus' der Hörspiel-Space-Opera Heliosphere 2265 von Andreas Suchanek und Interplanar ihr Ende. Seither mussten sich die Fans in Geduld üben, wollten sie erfahren, wie es mit Captain Jayden Cross und der Besatzung des Raumkreuzers Hyperion weitergeht. Doch nun ist die Wartezeit endlich vorüber, denn die Serie meldet sich mit Heliosphere 2265 – Folge 7: Die Opfer der Entscheidung zurück. Ca. 50 Minuten Laufzeit hat die Produktion, die seit dem 21. Oktober im Handel ist.

Noch nie zuvor war die Situation so aussichtslos. Die Parliden machen weiterhin Jagd auf die "Hyperion", um sich für den Anschlag auf ihre Heimatwelt zu rächen. Captain Cross' Schiff hat jedoch mit Antriebsproblemen zu kämpfen und kann nicht entkommen. An Bord herrscht zudem Chaos: Gefolgsleute des neuen Präsidenten Sjöberg versuchen, die Kontrolle über das Schiff zu gewinnen. Captain Cross muss akzeptieren, dass seine Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben werden. (Klappentext)

Den letzten Track von Folge 7 haben die Macher mit Zwischenziele betitelt. Ein passender Name und zugleich ein Begriff, der den Charakter des neuen Hörspiels gut auf den Punkt bringt. Was in kompakten 50 Minuten dieses Mal an Handlung geboten wird, besitzt nämlich einerseits den Charakter eines Epilogs zur ersten Zyklushälfte, dient aber darüber hinaus gleichzeitig dazu, in Form eines Prologs die inhaltlichen Weichen für die nun angebrochene zweite Halbzeit zu stellen. Der Spagat gelingt, die Story legt ein angenehm hohes Erzahltempo an den Tag und Captain Cross beweist seine Führungsqualitäten, indem er trotz stetig schwindender Handlungsoptionen den Überblick behält, wenn nötig Härte zeigt und es versteht, seine ihm loyalen Offiziere in die Entscheidungen einzubinden. Einer von ihnen Lieutenant Commander Lukas Akoskin: Bereits seit Folge 1: Das dunkle Fragment dabei, wird sein Background nun näher beleuchtet, wobei er Talente offenbart, die er sogleich zum Einsatz bringen kann, um das immer noch an Bord der Hyperion herrschende Chaos einzudämmen. Eine interessante Figur mit viel Potenzial. Darüber hinaus erfährt man auch mehr über die Vergangenheit von Alpha 365, der sich Akoskin gegenüber öffnet, als deutlich wird, dass beide auf ihre Art Außenseiter sind. Der Plot verliert sich aber nicht in Charakterstudien, sondern setzt in erster Linie auf spannungsgeladene Action: Dem Raumkreuzer, weitgehend manövrierunfähig und wehrlos, droht die baldige Zerstörung durch die Parliden, nicht alle an Bord ziehen am gleich Strang und selbst die unerwartet eintreffende Hilfe könnte sich als fatal für das Schiff erweisen. Bei so viel Dramatik bleibt weder der Hyperion-Crew noch dem Publikum richtig Gelegenheit zum Durchatmen. Seinem Ruf als überaus rasantem Weltraumabenteuer wird Heliosphere 2265 also auch dieses Mal wieder absolut gerecht.

Hinsichtlich der akustischen Umsetzung des Romans von Andreas Suchanek hat Interplanar Produktion wieder einmal ganze Arbeit geleistet: Das Sounddesign von Jochim-C. Redeker spannt von der ersten Minute an eine akustische Leinwand auf, die einen unweigerlich in das Geschehen hineinzieht, während die fein abgestimmte Musik die Szenen jederzeit wirkungsvoll atmosphärisch unterstützt. Die Regie von Balthasar v. Weymarn ist jederzeit in souveräner Manier Herr der Lage; und obwohl sich der Hörer noch nie über einen Mangel an prominenten Stimmen in der Serie beklagen konnte, verstärkt von nun an mit Maria Koschny auch noch die Synchronstimme von Jennifer Lawrence als Lt.-Cmdr. Kristen "Kirby" Belflair den Cast, dem u.a. Wanja Gerick (Captain Cross), Manja Doering (Tess Kensington), Tobias Kluckert (Lukas Akoskin), Anke Reitzenstein (Admiral Pendergast) und Uve Teschner angehören. Alle Sprecherinnen und Sprecher liefern eine mustergültige Performance ab, die keinerlei Anlass zur Klage bietet. Nichts auszusetzen gibt es auch am Booklet und dem Bonusmaterial, mit dem Greenlight Press die CD-Version stets aufwertet. Das Booklet wirft einen Blick in die Personalakte von Lieutenant Peter Task, stellt dem Leser einige Schiffsklassen der Space Navy vor, enthüllt einige Geheimnisse über die Parliden-Zivilisation und beinaltet zum Schluss auch noch eine Vorschau auf Folge 8: Getrennte Wege. Das Zusatzmaterial besteht aus dem Hörspiel im MP3-Format (für jene, die nicht selbst rippen wollen) und der eBook-Version des Romans von Andreas Suchanek, auf dem das Hörspiel basiert. Das eBook gibt es im PDF-Format oder als Kindle Content.

Etwas Zeit hat sich Heliosphere 2265 mit seiner Rückkehr schon gelassen, aber das Ausharren hat sich fraglos gelohnt. Folge 7: Die Opfer der Entscheidung punktet mit rasanter Action, greifbaren Charakteren und einer akustischen Umsetzung des Plots, wie man sie sich nur wünschen kann. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Greenlight Press und Interplanar die Fans bis zum Erscheinen von Folge 8: Getrennte Wege nicht wieder so lange auf die Folter spannen. Denn nach dem Hören der aktuellen Folge möchte man am liebsten sofort wissen, was im Heliosphere-Universum als nächstes passiert. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Produzenten wieder einmal alles richtig gemacht haben.



Heliosphere 2265 – Folge 7: Die Opfer der Entscheidung ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Greenlight Press. Seit dem 21. Oktober 2016 ist es im Handel erhältlich.



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