Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten» (Folgenreich/Interplanar)


Auch in der zweiten Staffel des Prequels Mark Brandis – Raumkadett hält Interplanar den Protagonisten ordentlich auf Trab: Zuerst musste er ins belagerte Baku (Folge 7: Laurin), dann zum Mond (Folge 8: Mondschatten) und zuletzt ließ man Brandis eine Raumstation auf dem Asteroiden Pallas bewachen (Folge 9: Endstation Pallas). In der aktuellen Folge 10: Zwischen den Fronten begibt sich der Raumkadett nun zusammen mit seinen Freunden auf eine Mission, die es in sich hat, denn sie ist gleichwohl sehr persönlich wie gefährlich. Seit dem 21. Oktober 2016 ist das Hörspiel mit einer Spielzeit von ca. 62 Minuten im Handel.

Gerüchte um eine geplante Eroberung der Republikenkolonie auf dem Mars verdichten sich. Mark Brandis, Alec Delaney, Annika Melnikova und Rob Monnier sind seit Monaten auf Einsätzen in den Krisen- und Kriegsgebieten. Während einer Pause erfahren die Freunde, dass ihr Ausbilder Lt. Eckmann, der bereits seit Monaten ungewöhnlich reizbar und verschlossen gewirkt hatte, spurlos verschwunden ist. Er wird wegen Fahnenflucht gesucht und soll vors Kriegsgericht gestellt werden. Sie fassen den Plan, Eckmann zu suchen und vor einer Dummheit zu bewahren … (Klappentext)

In Folge 4: Hinter den Linien wurde die Unions-Offizierin Alba Bravo bei dem Versuch, Mark Brandis zur Flucht auf das Territorium der EAAU (Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union) zu verhelfen, von Grenztruppen der Vereinten Orientalischen Republiken (VOR) erschossen. So sah es jedenfalls zunächst aus, bis dem Raumkadetten von dessen Ausbilder (und Albas Liebhaber) Wilhelm Eckmann eröffnet wurde, es habe sich bei Bravos Tod um ein Ablenkungsmanöver gehandelt, mit dem das Überlaufen der Soldatin zum Feind getarnt werden sollte. Zugleich nahm Eckmann seinem Schützling das Versprechen ab, mit niemandem über diesen Seitenwechsel zu sprechen. Seither hatte sich die Spur von Alba Bravo verloren, was sich mit der neuen Folge allerdings nun ändert: Mitten im Krieg zwischen der EAAU und den VOR ist Eckmann nämlich von der Fahne gegangen, was seinen Vorgesetzten bei der VEGA und insbesondere den Militärs selbstredend überhaupt nicht gefällt. Doch wo sie nach dem Abtrünnigen suchen soll, da tappen sie völlig im Dunkeln. Brandis ist ihnen da voraus, denn als er von der Sache hört, ist ihm sofort klar, dass es nur einen Grund geben kann, warum der ansonsten so pflichtbewusste Eckmann sich einfach so absetzt: Da muss eine ganz bestimmte Frau im Spiel sein. Kam Folge 9: Endstation Pallas wie ein von bedrückender Stimmung geprägtes Kammerspiel daher, so präsentiert sich Folge 10: Zwischen den Fronten als ein temporeiches Weltraumabenteuer, das, weil vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den zwei Machtblöcken angesiedelt, zudem Züge einer Agentengeschichte und einschlägiger Kommandofilme trägt. Autor Balthasar v. Weymarn fährt dabei zweigleisig, indem er abwechselnd Eckmanns Aktivitäten und die von Mark Brandis, Robert Monnier, Annika Melnikova und Alec Delaney schildert, die ihren Vorgesetzten zur Erde zurückbringen wollen, ehe er sich in noch größere Schwierigkeiten als jene bringt, die er sich mit seinem unerlaubten Entfernen ohnehin schon eingehandelt hat. Während Eckmann sein Reiseziel, die Station Langrange 5 (quasi ein Casablanca im Weltall), relativ problemlos erreicht, haben Brandis und Co. eine Reihe von Hürden zu überwinden, ehe sie überhaupt auf ihre „Rettungsmission“ gehen können: Gefallen müssen erbeten werden, Überzeugungsarbeit ist zu leisten und Vertrauen zu investieren. Der Hörer erlebt dabei einen Mark Brandis, dessen zunehmende Reife sich durch deutlich mehr Eigeninitiative äußert. Er traut sich mehr zu als früher, während Unsicherheiten und sein weiterhin begrenzter Erfahrungsmangel jedoch immer noch spürbar sind. Charakterlich ist der Raumkadett Brandis seit seinen Anfangstagen also ein gutes Stück vorangekommen, doch ein ordentlicher Weg bis hin zum souveränen Commander Mark Brandis aus der Originalserie liegt noch vor ihm. So klappt das Zusammenspiel mit den Kameraden mittlerweile ganz gut, läuft aber immer noch nicht komplett reibungslos, da der junge Mark weiterhin nicht recht weiß, wem er wann wirklich vertrauen soll und kann. Und auch dieses Mal ist nicht jeder, den er ins Vertrauen zieht, dieses tatsächlich wert. Nicht gerade die besten Umstände, um jemanden in Sachen Vertrauen selbstbewusster zu machen. Immerhin beweisen die angehenden Raumfahrer erneut, dass sie absolut für einander einstehen, wenn es hart auf hart kommt. Da wäre es für Brandis endlich an der Zeit, sich einen Ruck zu geben und seinen Mitstreitern gegenüber zu öffnen. 

Was den Eckmann-Bravo-Erzählstrang angeht, so bringt er dem Hörer zunächst einmal die Erkenntnis, dass der VEGA-Offizier über einen feinen Sinn für Ironie verfügt, wenn er sich – in den Augen seiner Vorgesetzten nun zum Verräter geworden – den Tarnnamen Guillaume gibt. Was den Piloten des Raumfrachters angeht, mit dem Eckmann zur Station Lagrange 5 reist, so hat sich Bathasar v. Weymarn eine schöne Referenz an die ursprüngliche MB-Hörspielserie einfallen lassen. Ansonsten bleibt dieser Handlungsfaden leider recht unergiebig: Sicherlich tun Menschen die seltsamsten Dinge aus den unerfindlichsten Gründen, doch was Alba Bravo als Motivation für ihren Seitenwechsel anführt, ist ungefähr so überzeugend wie ein US-Soldat aus Las Vegas, der auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in die UdSSR desertiert und hinterher zur Begründung angibt, man habe ihn damit geködert, in Nowosibirsk gäbe es so tolle Nachtclubs. Wo Alba politisch und hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Wilhelm Eckmann wirklich steht, bleibt einigermaßen diffus. Ihr Lover dagregen handelt zwar kurzsichtig aber gutherzig und kann sich, sollte er wegen Fahnenflucht im Krieg hingerichtet werden, wenigstens mit Fug und Recht auf den Grabstein schreiben lassen: Die Frauen waren sein Untergang. Richtig Schwung in die Sache bringen dann erst die Kommissare Cohen 6 und Cohen 3 – zwei von insgesamt sechs telepathisch begabten Brüdern im Dienste der VOR. Die Cohen-Brüder [sic] stehen dann auch im Zentrum, wenn sich die beiden Handlungsstränge von Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten vereinen. Dies geschieht recht abrupt, ergibt aber eine weitere richtig dramatische Szene, in der wieder einmal deutlich wird, zu welchen unmenschlichen Mitteln die Kriegsparteien zu greifen bereit sind. In den letzten Minuten dann deuten sich noch Entwicklungen an, die in der Zukunft von maßgeblicher Bedeutung sein könnten. Das neue Abenteuer des Raumkadetten Mark Brandis findet auf diese Weise einen passenden, wenngleich knapp gehaltenen Abschluss.

Als absolut verlässliche Konstanten erweisen sich auch in Folge 10 dieser Serie die hochwertige Leistung der Besetzung und das Sounddesign von Jochim-C. Redeker. So sind Daniel Claus, Sebastian Fitzner, Sebastian Kluckert und Friedel Morgenstern sind als Mark Brandis, Robert Monnier, Alec Delaney und Annika Melnikova wieder mit von der Partie und haben ihre Rollen absolut im Griff. Als Lt. Eckmann hat Wanja Gerick dieses Mal richtig viel zu tun, und Manja Doering nimmt ihre Rolle als Alba Bravo wieder auf. In wiederkehrenden Rollen sind zudem Leon Boden (Maj. Richard Westhoff) und Tilmar Kuhn (Maj. Leonard R. West) zu hören. Erstmals ist Dirc Simpson dabei, der die Cohen-Brüder verkörpert. Alle Sprecherinnen und Sprecher sind in richtig guter Form und überzeugen durch ihr lebendiges Spiel. Verzichten muss man übrigens dieses Mal allerdings auf Michael Lott als Erzähler. Voller Energie steckt auch der von Jochim-C. Redeker gestaltete Klangraum, der eine tolle Atmosphäre schafft durch Räumlichkeit und viele kleine Details. Und egal, ob nun Action und Dramatik angesagt sind oder die eher ruhigeren Momente: Jederzeit stehen die Soundeffekte zusammen mit Redekers orchestralem Soundtrack sogleich Gewehr bei Fuß, um für das richtige Kopfkino zu sorgen. Für die richtige Einstimmung auf das neue Raumkadett-Abenteuer sorgt das Cover von Alexander Preuss.

Interplanar ist mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten eine Produktion gelungen, dessen Mix aus Space Opera, Agentengeschichte und „Guys on a mission“-Motiven für spannende und kurzweilige 62 Minuten Hörspielunterhaltung sorgt. Dass der Handlungsstrang um die Raumkadetten dabei attraktiver ist als der, in dessen Zentrum Eckmann und Alba stehen, tut der Sache unterm Stich keinen Abbruch, denn immerhin heißt die Serie Mark Brandis – Raumkadett und nicht Wilhelm Eckmann – Ausbilder der Raumkadetten. So oder so ist es positiv zu bewerten, dass dem Leutnant einmal deutlich mehr Raum als sonst zugestanden und der Faden um Alba Bravo nun wieder aufgegriffen und fortgeführt wird. Denn nicht nur wird die Serie dadurch inhaltlich verdichtet, solche Rückbezüge/Wiederanknüpfungen belohnen die Stammhörer auch immer für ihre Loyalität. Ihrem Charakter als Prequel treu bleibend, zeichnet die Serie mit Folge 10 die Entwicklung der Persönlichkeit des Protagonisten weiterhin gekonnt nach, bleibt damit konzeptionell genau in der richtigen Spur und empfiehlt sich auf diese Weise bereits jetzt schon für Folge 11, die mit dem Titel Das Jupitel-Risiko im Januar 2017 veröffentlicht werden soll. Als Mark-Brandis-Fan darf man sich jetzt schon darauf freuen.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 10: Zwischen den Fronten ist ein Hörspiel von Interplanar für Folgenreich/Universal Music Family Entertainment. Seit dem 21. Oktober 2016 ist es im Handel erhältlich.



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