Hörspielrezension: «Mark Brandis - Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew» (Folgenreich/Interplanar)


Mit Folge 7: Laurin starteten Folgenreich und Interplanar Mitte 2016 in die zweite Staffel von Mark Brandis – Raumkadett. Und nun findet eben jene zweite Runde mit dem Hörspiel Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ihren dramatischen Abschluss. Ca. 58 Minuten Spielzeit hat die Produktion, die seit dem 28. April 2017 im Handel erhältlich ist.

Mark Brandis‘ wiederholt unter Beweis gestellte außergewöhnliche Fähigkeit, in einer Notsituation blitzschnell Entscheidungen zu treffen, haben seine Vorgesetzten davon überzeugt, dass er bereit für ein erstes eigenes Kommando über ein Raumschiff ist. Damit geben sie ihm den Vorzug vor seinen Kameraden Alec Delaney und Robert Monnier, die sich nun unter Brandis' Befehl wiederfinden. Keine einfache Situation für Brandis, der zudem auch prompt seinen ersten Auftrag erhält: Die "Stella Polaris" unter Colonel Rublew, die sich auf einer Expedition zu einem Asteroiden befindet, soll durch einen Hochgeschwindigkeitstorpedo mit Messgeräten und Ersatzteilen versorgt werden. Doch bevor es dazu kommt, reißt die Verbindung zur "Stella Polaris" ab und eine raumflottenübergreifende Suchaktion wird gestartet. Um sich an der Rettungsaktion zu beteiligen, entscheidet sich Mark gegen die Vorschriften und für die Menschlichkeit, was zu tragischen Ereignissen führt, die auch den erwachsenen Mark Brandis für immer verfolgen werden…

Brandis' erstes Kommando und seine Suche nach Colonel Rublew bilden eines der entscheidenden Kapitel im Leben des von Nikolai v. Michalewski ersonnenen Raumfahrers. Was damals passierte, wurde in Geschichten wie Bordbuch Delta VII, Endstation Pallas, Verrat auf der Venus, Ikarus, Ikarus… oder Die Zeitspule zwar bereits angedeutet, doch nun werden die Ereignisse erstmals in vollem Umfang geschildert. Vor diesem Hintergrund ist Interplanars neuestes Hörspiel mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew zweifellos passend betitelt, wobei sich im Hinblick auf die Handlung alternativ auch Sprichwörter wie "Übermut tut selten gut" oder "Der Weg in die Katastrophe ist gepflastert mit guten Vorsätzen" angeboten hätten. Zugegeben, letzteres wäre ein ziemlich langer Folgentitel gewesen, doch fasst diese Redewendung den Plot des Finales der zweiten Raumkadett-Staffel andererseits sehr schön zusammen.

Was die Fans am erwachsenen Mark Brandis besonders schätzen, ist seine Bereitschaft, sich im Namen der Menschlichkeit notfalls über Regeln und Regularien hinwegzusetzen. Und genau dieser Charakterzug ist es auch, der von Balthasar v. Weymarn im Verlauf der ersten beiden Prequel-Staffeln immer weiter entwickelt und herausgearbeitet wurde. Zum Abschluss der zweiten Staffel lässt der Autor den Raumkadetten jedoch auf schmerzvolle Weise die wichtige Lektion lernen, dass eigenmächtiges Handeln ein zweischneidiges Schwert ist: Als Brandis zu Beginn der neuen Folge ohne zu zögern eingreift und dadurch ein Leben rettet, bringt ihm dies einen Orden und sein erstes eigenes Kommando ein; aber als er gegen Ende erneut gegen alle Regeln handelt, der Ausgang dieses Mal jedoch verheerend ist, landet er vor Gericht. Und gäbe es da nicht Menschen, die sich für den Raumkadetten einsetzen, weil sie an Brandis' und sein Potenzial glauben, dann wäre als weiterer alternativer Titel für dieses Hörspiel auch "From Hero to Zero" in Frage gekommen. Obwohl Brandis der Maximalstrafe schlussendlich gerade noch einmal knapp entgeht, so hat er - das macht der Dialog in den letzten Minuten der Folge deutlich - eines endgültig begriffen: Das eigene Leben zu riskieren, ist eine Sache. Das von Menschen, die unter einem dienen, hingegen eine ganz andere. Und selbst ein noch so hehres Ziel, rechtfertigt nicht jeden Preis. Vor allem nicht den ultimativen.

Steht ein Staffelfinale auf dem Programm, ist für die Macher natürlich die Versuchung groß, in erster Linie ein Feuerwerk der Soundeffekte abzubrennen, um noch einmal ein akustisches Ausrufezeichen zu setzen. Erst recht, wenn das Staffelende auch als potenzielles Serienende funktionieren soll. Zwar mangelt es Folge 12: Der Fall Rublew weder an Action noch Dramatik und der Klangraum von Jochim-C. Redeker ist abermals von exzellenter Qualität, doch hat Interplanar der Versuchung insofern widerstanden, als dass man sich auch beim Finale der zweiten Staffel treu bleibt, indem man sich auf die Charaktere fokussiert. Brandis, Delaney und Monnier müssen, da nun einer von ihnen Weisungsbefugnis über die anderen beiden besitzt, ihr Verhältnis untereinander neu ausloten; Brandis mit den Konsequenzen aus seiner neuerlichen Befehlsgewalt ins Reine kommen. Und ein Gespräch mit Rublews Ehefrau lässt Brandis darüber nachdenken, welche Auswirkungen sein Dasein als Raumfahrer wohl auf sein zukünftiges Beziehungsleben haben wird. Jede Menge Material also für schlanke 58 Minuten Laufzeit, doch die Folge wirkt niemals überladen oder die Themen überhastet abgehandelt. Im Gegenteil wird allen Aspekten der Handlung der nötige Raum zugestanden; die Balance aus Character Drama und Action stimmt; der konsequent gespannte Spannungsbogen findet einen überzeugenden Abschluss. Und auch nach einem Dutzend Folgen bleibt der von Daniel Claus angeführte Cast eine absolut sichere Bank.

Mit Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew legen Folgenreich und Interplanar den würdigen Abschluss einer für den Raumkadetten (und die Hörer) sehr ereignisreichen zweiten Staffel vor. Einer Staffel, in deren Verlauf der Raumkadett in seiner charakterlichen Entwicklung einen weiteren Teil seines Weges hin zum gereiften Mark Brandis aus der Originalserie zurückgelegt hat. Ganz ist er aber noch nicht da, weshalb auch nach Folge 12 noch Raum für weitere Raumkadett-Abenteuer bleibt. Und angesichts des überaus positiven Eindrucks, den sowohl die neue Folge als auch die Serie insgesamt bislang hinterlassen konnte, wäre es wirklich eine Schande, wenn es diese nicht geben würde.



Mark Brandis – Raumkadett Folge 12: Der Fall Rublew ist ein Hörspiel von Interplanar Produktion für Folgenreich. Seit dem 28. April 2017 ist es im Handel erhältlich. 



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